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Grundsätzliches JA zum Wechselmodell – Kindschafts-rechtliche und unterhaltsrechtliche Fragen und Probleme

Der Interessenverband Unterhalt und Familienrecht (ISUV) hält das Wechselmodell – Kinder werden trotz Trennung/Scheidung der Eltern gemeinsam betreut – grundsätzlich strukturell für richtig, weil es integriert und nicht dividiert. „Wir halten aber auch aus gesellschaftlichen und politischen Gründen das Wechselmodell für ein Gebot der Stunde – eine „Notwendigkeit.“, stellt der ISUV-Vorsitzende Josef Linsler fest.

Auf Grund der niedrigen Geburtenrate und der sich daraus ergebenden Bevölkerungsstruktur sind heute gleichsam beide Elternteile verpflichtet zu arbeiten, wenn sie im Alter, insbesondere nach einer Scheidung Altersarmut ausschließen wollen. „Das Wechselmodell bietet einen organisatorischen Rahmen, der beiden Eltern Berufstätigkeit ermöglicht. Dies entlastet und entschärft entsprechend auch die Unterhaltsproblematik.“ (Linsler)

Es ist unwidersprochen, dass das Wechselmodell dem Kindeswohl – einer positiven Sozialisation nach Trennung und Scheidung – an angemessensten dient. Jedoch das Recht steckt in einem Lag, hat gegenüber der sozialen Wirklichkeit „Nachholbedarf“.

Laut Erfahrungen von ISUV wird das Wechselmodell aus folgenden Gründen nur selten gelebt – beziehungsweise „kann“ nur selten umgesetzt werden:

 

Die Vorgaben der Rechtsprechung – Betreuungsanteile beider Elternteile jeweils 50 Prozent – sind „Wechselmodell feindlich“. Diese Betreuungsquote ist realitätsfern, wie müssen getrennte Eltern beschaffen sein, welche Berufe müssen sie ausüben, damit sie das umsetzen können? Die Vorstellung von einer 50: 50 Betreuungsquote führt zu Fehlverhalten: „Wir haben Fälle, wo Anwälte zum Aufschreiben von Stunden raten mit der Maßgabe, wenn das dann die Hälfte sei, müsse man keinen Unterhalt mehr zahlen. Jedes Mittel ist dann recht um auf die entsprechende Stundenzahl zu kommen.“ (Linsler)

Als Hauptursache hebt der ISUV-Vorsitzende hervor: „Unsere Erfahrung ist die, dass das Wechselmodell meist am Unterhalt scheitert. Wenn ein Elternteil 30 Prozent Betreuungsanteil leistet und 100 Prozent Unterhalt zahlen muss, dann empfindet er das subjektiv als ungerecht, aber auch nach objektiven Maßstäben ist es ungerecht. Wir haben Mitglieder, die über vierzig Prozent Betreuung leisten und dennoch den vollen Kindesunterhalt zahlen.“

Die alltägliche Praxis zeigt, das Wechselmodell scheitert oft an einer fundamentalen Verweigerungshaltung, die von entsprechenden Anwältinnen und Anwälten auch radikal durchgezogen wird. Als Ideologie – als „Legitimation“ für diese Blockadehaltung muss dann das Kindeswohl herhalten. „Im Prozess heißt es dann, das Kind will nicht zum Vater oder zur Mutter. Warum dies so ist oder wie es dazu gekommen ist, wird nicht geklärt.“, kritisiert Linsler und fordert: „Diese Haltung muss sanktioniert, „an den Pranger gestellt“ werden.“

Die Praxis zeigt, dass manche Elternteile vom Kindesunterhalt leben, also selbst existentiell darauf angewiesen sind und sich daher einem Wechselmodell verweigern.

Bei manchen ehe-maligen Paaren/binationalen Paaren scheitert die Umsetzung eines Wechselmodells auch auf Grund unterschiedlicher Wert- und Rollenauffassungen.

„Unsere Erfahrung ist die, dass die Umsetzung eines Wechselmodells meistens am Geld scheitert. Jedoch gibt es auch die Fälle, in denen unterschiedliches Konsum- und Freizeitverhalten, unterschiedliche soziale Milieus der ehe-maligen Partner eine destruktive Ablehnung begründen.“ (Linsler) Gemeint ist, dass ein Elternteil beispielsweise fanatisch einer Waldorfpädagogik frönt, während der andere Medien, Smartphone, Soziale Netzwerke favorisiert und mit Fastfood „schlemmt“.

Kontakt:

ISUV-Bundesgeschäftsstelle, Postfach 210107, 90119 Nürnberg, Tel. 0911/55 04 78, – info@isuv.de

ISUV-Vorsitzender Josef Linsler, Moltkestraße 22a, 97318 Kitzingen, Tel. 09321/9279671 j.linsler@isuv.de

Rechtsanwalt Georg Rixe, Hauptstraße 60, 33647 Bielefeld, Tel. 0521/41 10 02, g.rixe@isuv.de

ISUV-Pressesprecher RA Claus Marten, Josef-Orlopp-Str. 54 10365 Berlin Tel  030- 857 596 0, berlin@isuv.de

ISUV-Rechtspolitischer Sprecher RA Ralph Gurk, Ludwigstr. 23, 97070 Würzburg, 0931/45 25 940, r.gurk@isuv.de

 

28.05.2015 - Kategorie Presseerklärungen

Autor: Josef Linsler