Burnout ein Alltagsphänomen – Trennung beschleunigt Burnout

Burnout wurde lange als Krankheit von Führungskräften verstanden. Sie brennen für den Job und opfern sich für ihn auf. Neuere Studien zeigen jedoch, dass Macher nicht nur "Opfer" sind, sondern selbst "Täter" werden.

Gestresst, erschöpft, ausgebrannt – so fühlen sich nicht nur Führungskräfte, sondern vielfach auch die Beschäftigten. Ursachen für deren Burnout sind nicht unbedingt nur Überlastung, lange Arbeitszeiten oder ein zu geringer Handlungsspielraum. Auch das Verhalten der Vorgesetzten spielt eine wesentliche Rolle. Zwischen dem Burnout der Führungskräfte und dem Mitarbeiter besteht sogar ein direkter Zusammenhang.

"Sind die Vorgesetzten selbst erschöpft und gestresst, besitzen sie eventuell nicht mehr die nötigen Kapazitäten, um ihr Verhalten zu kontrollieren und entwickeln einen destruktiven Führungsstil", erklärt Dr. Antonia Kaluza von der Goethe Universität Frankfurt. Die Psychologin hat in mehreren ihrer Studien den Zusammenhang zwischen dem Verhalten von Führungskräften und deren Gesundheit untersucht, unter anderem auch im Hinblick auf Burnout.

Steht der Chef ständig unter Druck, gibt er das weiter. Die Folge: Er ist ein Gesundheitsrisiko für sich selbst und für seine Mitarbeitenden. Tatsächlich nennen 35 % der Beschäftigten ihn als Ursache für Stress am Arbeitsplatz. Bedenkt man, dass fast jeder fünfte Vorgesetzte – quer durch alle Branchen – schon einmal unter dem Erschöpfungssyndrom gelitten hat, kann man ermessen, wie viele Beschäftigte er in den Burnout getrieben hat.

Vor allem destruktives Führungsverhalten macht die Mitarbeitenden krank. Es kann sich ganz unterschiedlich zeigen: Während einer laut wird und der andere mobbt, kümmert sich wieder ein anderer gar nicht mehr um seine Angestellten und ignoriert sie, so dass sie völlig blockiert sind.

Die Methoden, die in den Burnout führen sind vielfältig und unterschiedlich diffizil: Menschen kleinhalten, isolieren und emotional zerstören, teilweise plumpe laute Beschimpfungen vor anderen. Aber viel öfter sind es die indirekten Zweifel, die Unfähigkeit der konstruktiven Kommunikation, das Zurückhalten von Informationen, das Diskreditieren vor den anderen, das an den Pranger stellen durch erweiterten Verteiler, ständige offene und geheime Kontrolle, das stringente bis autoritäre konfrontative Gegenübertreten, bewusste Nichtanerkennung von Leistung, Unterdrückung von Ideen und Argumenten.

All diese Methoden und Verhaltensweisen sind auch Begleiterscheinungen des Trennungsprozesses, mal mehr mal weniger. Wenn nun Probleme bei der Arbeit und Trennungsstress zusammen kommen, ist der Burnout entsprechend naheliegend. Im Übrigen fördert die melancholisch bis depressive Corona-Stimmung Burnout-Gefühle.

ISUV rät schon immer zu gegenseitiger Achtsamkeit als Voraussetzung für eine einvernehmliche Scheidung. 

Quelle: LTO