Initiative der Familienministerin Anne Spiegel gegen Einsamkeit - Gemeinsam gegen Einsam – Hilfe zur Selbsthilfe

„Darin besteht die Liebe: Dass sich zwei Einsame beschützen und berühren und miteinander reden“, stellte Rainer Maria Rilke, selbst ein „Einsamer“, vor über hundert Jahren fest. Wenn Zwei sich trennen, löst dies nach Erfahrungen des ISUV-Verband für Unterhalt und Familienrecht – nicht selten bei einem oder manchmal auch beiden Partnern vorübergehend oder auch langfristig Einsamkeit aus. „Ein auf Kooperation und nicht auf Konfrontation angelegtes Familienrecht kann Einsamkeit mildern. Die Corona-Krise hat Einsamkeit schonungslos aufgedeckt und vielfach verstärkt. Familienministerin Anne Spiegel möchte eine Strategie, ein Netzwerk gegen Einsamkeit entwickeln, wir begrüßen das. Wir erleben im Verband, dass man Menschen aus der Einsamkeit abholen kann. Wichtig ist, dass über Einsamkeit geredet, Einsamkeit enttabuisiert  wird“, stellt die ISUV-Vorsitzende Melanie Ulbrich fest.

Der Verband fordert den Aspekt Einsamkeit nicht nur als Altersphänomen abzutun, sondern auch im Zusammenhang mit Trennung und Scheidung auf die öffentliche Agenda zu setzen: „Eine Reform des Familienrechts muss auf Kooperation angelegt sein, auf gemeinsame Elternschaft und somit Einsamkeit verhindern“, fordert die stellvertretende ISUV-Vorsitzende, Rechtsanwältin Maren Waruschewski.

Fakt ist die Familienbande im Allgemeinen sind nicht mehr so stark. Die Mehrgenerationen-Familie, die unter einem Dach lebt und das einzelne Mitglied auffängt, wenn es Probleme hat, ist sehr selten. Kinder leben heute schon sehr früh ihr „eigenes Leben“, wollen sich aus dem Alltagsstress, dem Trennungsgezerre der Eltern heraushalten.

Für viele Eltern sind die Kinder aber gerade bei einer Trennung wichtig. „Sie sind schließlich das, was bleibt. Massiv einsam, oft verbunden mit Depressionen, sind daher Elternteile, die keinen Umgang mit den Kindern haben, denen der Umgang verweigert wird, die nur zahlen müssen, die sich in Familienverfahren immer als Verlierer wahrnehmen, denen am Ende trotz gutem Einkommen nur der Selbstbehalt bleibt. Die Folgen sind sehr oft radikale Einstellungen, Staatsverdrossenheit und manchmal langwierige Krankheiten“, stellt ISUV-Vorstand für Kommunikation Marcus Mey im alltäglichen Gespräch mit Betroffenen immer wieder fest. 

Wer nach einer langen Ehe und einige Jahre vor der Rente geschieden wird, wer dann die Rentenpunkte teilen muss,  rutscht vielfach in Altersarmut und somit oft auch in Einsamkeit, denn Mobilität, Aktivitäten kosten Geld.  

Ob Jung, ob Alt, wem am Monatsende nur der Selbstbehalt - also 1160 EURO – bleibt, ist arm und wurde durch die Inflation in den letzten Jahren noch ärmer. Es zeigt sich, wer gut situiert ist, findet nach der Trennung auch schneller wieder einen neuen Partner oder eine neue Partnerin. Dating Plattformen sind für verlassene Partner und Partnerinnen eine gute erfolgversprechende Möglichkeit zumindest dem Alleinsein zu entgehen. Aber auch da wird nach Einkommen gefiltert, haben Menschen mit geringerem Einkommen weniger Chancen.

Einsamkeit ist oft auch schon in der Beziehung angelegt und tritt bei der Trennung klar hervor. „Der oder die hat ja keine Freunde“, lautet ein Narrativ, das im Zusammenhang mit Trennung von Betroffenen geäußert wird. Wer keine „Freunde“ hat, gilt als Außenseiter*in, als Langweiler*in. „Das tut bei einer Trennung richtig weh, wenn sich Bekannte abwenden bzw. nur einem Partner zuwenden. Spätestens dann wird Einsamkeit massiv erlebt. Die Praxis zeigt, Menschen sind auch bei einer Trennung entspannter, fühlen sich weniger einsam, je mehr reale – nicht virtuelle – tiefe Beziehungen sie haben und somit von einer Gruppe aufgefangen werden“, hebt die ISUV-Vorsitzende Melanie Ulbrich hervor.  

Denkbar ist aus Sicht von ISUV ein koordiniertes reales und virtuelles Netzwerk von gemeinnützigen Verbänden und Initiativen mittels dem auf vereinsamte Menschen zugegangen wird, auf das sie Zugriff haben. Dabei können Soziale Medien eine Schnittstelle, eine Brücke sein, um Menschen aus der Einsamkeit abzuholen. „Einsamkeit kann man nicht lösen, aber mit Empathie die Resilienz von Betroffenen fördern. Wir sehen bei ISUV, dass das möglich ist“, stellt Mey fest.

Es ist zu hoffen, das Familienministerium hat nicht nur ein Projekt medienwirksam angetriggert, das dann in den Weiten des Internets verschwindet. „Wir hoffen, das wachsende soziale Problem Einsamkeit wird nachhaltig angegangen. Schließlich geht es um das Glück und die Gesundheit von Menschen“, hebt Ulbrich hervor.