Chancen für eine erfolgreiche neue Partnerschaft

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Neue Partnerschaft nach Trennung und Scheidung

Wir wissen alle, welches die hauptsächlichen Themen sind, die in der Zeitschrift unseres Vereins behandelt werden: Sie betreffen besonders die Zukunft nach einer Trennung wie z. B. der Versorgungsausgleich, das Unterhaltsrecht, die Familienpolitik, zu wem kommen die Kinder, u. a.
Besonders wichtig ist die Frage, wie sich die finanzielle Situation darstellt, wenn man wieder eine Beziehung eingehen will. Die Finanzen sind oft ausschlaggebend in der Frage, ob eine neue Beziehung möglich ist, denn auch in einer neuen Beziehung wird oft der Wunsch nach Kindern bestehen, aber oft unmöglich, weil finanziell unerfüllbar.

Neben diesen Problemen stellt sich aber – eigentlich noch viel wichtiger – die Frage, ob eine neue Beziehung funktionieren kann oder ob man auch in der folgenden Beziehung wieder Schiffbruch erleiden wird, weil man wieder die „gleichen Fehler“ macht, weil man/frau wieder in die „gleichen Geleise“ gerät.
Während rund 40 % aller Erst-Ehen in die Brüche gehen, sind es bei den Zweit-Ehen schon 60 %; so steht es in unserer Zeitschrift. – Warum sind Zweitehen „bedrohter“?

Ganz offensichtlich müssen wir vor einer neuen Beziehung neue Erkenntnisse über uns und unser Verhalten gewinnen.

Heute werden 40-60 % aller Ehen geschieden. Berücksichtigt man auch alle anderen heterosexuellen, nicht ehelichen Beziehungen, dann muss man feststellen, dass die Zahl der Trennungen viel, viel höher ist. Und berücksichtigt man des Weiteren, dass viele Ehen nicht geschieden werden, weil man sich ganz einfach nicht scheiden lässt, etwa aus religiösen Gründen, oder man sich an das Prozedere in der eigenen Ehe gewöhnt hat. Manchmal gibt es auch die Konstellation, dass man/frau sich nicht traut, sich zu trennen, weil der eine Partner z. B. so dominant ist, dass eine Scheidung nicht in Frage kommt, also „nicht erlaubt“ ist. Wohl auch ein wichtiges Motiv, dass man/frau den finanziellen Verlust fürchtet. Weitere Motive sind, dass für manche das Single-Dasein zu beschwerlich ist; Männer und Frauen müssen auf einmal Rollen ausfüllen, die sie ihr ganzes Leben bisher nicht beachten mussten. Berücksichtigen wir all dieses, dann muss man sagen, dass wirklich funktionierende Beziehungen nur noch in der Minderheit zu finden sind.

Grundsätzliche Ursache für diese Tatsache ist, dass wir als Kinder und Heranwachsende unzählige mehr oder weniger nützliche Dinge in den Schulen gelernt haben. So wurden wir schließlich Fachärzte, hervorragende Ingenieure, Betriebswirtschaftler, ausgebildete Pfarrer, Künstler, Handwerker, Facharbeiter, .... Wir wurden zu Fachleuten auf den verschiedensten Gebieten ausgebildet, nie aber zu Fachleuten auf dem Gebiet der Kommunikation zwischen Frau und Mann; wir alle traten in eine Beziehung ein als absolute Dilettanten. Wir lernen vieles, aber nichts über das, was das Wichtigste im menschlichen Leben ist, das Miteinander von Mann und Frau.

Neben diesem „Nichtgelernthaben“, neben dieser Ignoranz gibt es – sozusagen oben drauf – unsere seelischen und geistigen Krankheiten, also allgemein gesagt, Krankheiten, die Verhaltensweisen zur Folge haben, die einen anderen Hintergrund haben als „richtiges-Verhalten-nicht-gelernt-haben“.

Was ist darunter zu verstehen? Unter körperlichen Krankheiten unterscheiden wir z. B. zwischen einem harmlosen Schnupfen und einer schweren Lungenentzündung. So müssen wir es auch bei unseren geistigen und seelischen Störungen sehen. Auch hier gibt es natürlich die harmlosen, einem Schnupfen entsprechenden Krankheiten, die wir alle mehr oder weniger haben, und natürlich „schwierigere“. Unter seelischen Krankheiten müssen wir hier die Verhaltenskrankheiten sehen, also falsches Verhalten, das sozusagen in uns drinnen steckt aufgrund von Informationen, Falschinformation unseres Unbewussten, also sog. Prägungen, jenseits von unserem möglichen falschen Verhalten aufgrund von Unkenntnis der Methoden, deren Anwendung eine erfolgreiche und befriedigende Beziehung in vielen oder den meisten Fällen ermöglichen würde – nebenbei bemerkt, von unserem „Bewusstsein“ ist nur 1/10 bewusst, wir werden also vielmehr von unserem Unbewussten gesteuert, als es von uns „bewusst“ erkannt wird.

Man spricht ja beim Menschen von Geist, Seele, Körper, und in diesem sog. Ternär – das hat schon was mit Irenik zu tun -, in diesem 1, 2, 3 entspricht der Geist unserem Denken und Seele unserem Verhalten. Was unser Körper ist, muss nicht erklärt werden, er ist unsere Substanz. Verhalten ist die Bewegung, die Aktivität der einzelnen Körper- oder Substanzbereiche, also Bewegung der 1000 Muskeln des Gesichts, die Aktivität der Tränendrüsen, was den Gesichtsausdruck ausmacht, ein Ausdruck von Freude oder Traurigkeit, Zufriedenheit oder Wut oder anderes.

Da sich eine Gefühlsregung nicht nur durch den Gesichtsausdruck, durch Mimik, also durch das „Verhalten“ des Gesichts, äußert, sondern sich auch im Stoffwechsel unserer Organe bemerkbar macht, belasten negative Gefühle unseren eigenen Stoffwechsel, wenn sie sich gegen ein Gegenüber richten, natürlich auch den Stoffwechsel des Gegenübers. Liebe deinen nächsten – wie dich selbst, also habe immer positive Gefühle für dein Gegenüber, ist nichts anderes als ein normales medizinisches Gebot, die eigene Gesundheit betreffend.

Die Maxime lautet also: Denjenigen, den man liebt, dessen Stoffwechsel belastet man tunlichst nicht, denn die Folgen hat man eventuell selbst zu tragen, oder besser, die Folgen haben wir ja schon alle in irgendeiner Form erlebt.

Als vernünftiger Egoist belaste ich selbstverständlich auch nicht meinen eigenen Stoffwechsel. Aber selbstverständlich ist dies leider nicht, sondern höchstens das Gegenteil. Wir sollten alle positive Egoisten sein; sagt übrigens auch der Dalai-Lama. Unter Egoismus ist gemeint, dass man keine negativen Gefühle gegenüber dem Anderen, in unserem Falle gegenüber dem Partner des anderen Geschlechts entwickelt. Positive Gefühle erzeugen bei meinem Gegenüber seinerseits positive Gefühle mir gegenüber, was für mich nur positiv und von Vorteil sein kann. Ich habe also, ganz egoistisch, mehr davon, wenn ich positive Gefühle habe.

Der Sinn des Lebens ist, Lust zu gewinnen, und das sagten vor Epikur schon andere Griechen. In unserer Zeit sagt das der Dalai Lama auch, er sagt, der Sinn des Lebens sei, glücklich zu sein. – Apropos Lust: Wir tun den ganzen Tag irgendwie etwas, was man als Arbeit bezeichnen kann, das nicht unbedingt Lust, sondern oft mehr Last ist... Warum tun wir dies? Doch nur um irgendwelche angenehmeren Zustände, irgendwie Lustzustände, zu erreichen. Wir ersehen daraus, dass zum Lustgewinn sehr viel Arbeit gehört.

Mancher Herr, manche Frau der Schöpfung ist vielleicht der Ansicht, dass diejenige Lust ausreichend ist, wenn er mit Bierflasche in der Hand vorm Fernseher hockt, wenn sie mit seiner Scheckkarte das 20zigste Paar Schuhe kauft, jeweils immer zum Missfallen der anderen Partners. Oder wenn einer von Beiden gemütlich beim Frühstück die Zeitung liest, was eine Wand zwischen den Partnern darstellt, wenn sie gemeinsam am Frühstückstisch sitzen. Aber eigentlich sollten wir wissen, dass es die höchste Lust ist, dem Partner die höchste Lust zu verschaffen. Und das ist, auf Dauer gesehen, Arbeit, eine andauernde Arbeit, die eine Beziehung dauerhaft gestalten soll. Wir missachten, meist aus Unkenntnis, diese Arbeit.

Diese Missachtung könnte man als eine harmlose „geistige Erkrankung“ bezeichnen, d. h. der Geist berücksichtigt nicht die Regeln. Es wäre aber eine leicht heilbare, weil es im Grunde keine Krankheit ist, sondern nur ein Nichtwissen. Im Vergleich dazu wären vielleicht noch relativ leichtere, aber eher echte seelisch geistige Krankheiten zu sehen, etwa eine falsche Prägung durch die Eltern, die ihrerseits durch ihre Eltern geprägt wurden. In früheren Zeiten war es üblich, dass der Ehemann eine absolut dominante Rolle spielte. Er hatte das Sagen, bestimmte die Ausgaben, sein Wille war Befehl – wie es heute noch üblich ist bei vielen muslimischen Familien. Nehmen wir an, ein Mädchen ist unter diesen väterlichen Dominanzverhältnissen aufgewachsen, dann wird es später als Frau in einer Partnerschaft auch ihrem Partner gegenüber so reagieren, als wäre er diese Überfigur, auch wenn der Partner vielleicht gar nicht zu dieser Gruppe gehörte. Sie wird bei jeder seiner Meinungsäußerungen so reagieren, als wäre es dieser Befehl des dominanten Menschen, dem Vater entsprechend. Diese Frauen waren oder sind durch das Bild des Vaters geprägt, d. h. sie konnten gar nicht anders als den zukünftigen Partner als diese Dominanz zu sehen und sichstillschweigend zu fügen. Es war gar nicht so sehr ein Fügen, sondern es klappte in diesem Sinne ganz „natürlich“. Heutzutage hat sich daher bei den alteingesessenen Europäern einiges geändert, aber nur in dem Sinne, dass der nichtdominante Partner das Gefühl entwickelt, dass es irgendwie nicht richtig läuft. So kann daraus in höherem Alter schon mal eine Trennung resultieren. Oder nach dem Tod des dominanten Partners stellt der Überlebende fest, dass man gar nicht sein Leben gelebt hat.

Der Mann hat in seinem Sinne ganz normal gehandelt, es war ja überall so üblich. Sein Denken war normal, denn er war ja so geprägt. In Wahrheit war oder ist es eine geistige Krankheit, ein falsches Denken, denn es brachte den nächsten Mitmenschen nicht die geistige und seelische Gesundheit, die notwendig ist. Er seinerseits hat natürlich auch nicht echte Glücksgefühle erfahren. Die Beherrschung eines anderen ist kein wahres Glücksgefühl, es ist in Wahrheit, Wirklichkeit und Realität eine mehr oder weniger schwerwiegende Krankheit, insbesondere wenn man das Lebensresultat berücksichtigt.

Oder, eine sexuelle Beziehung wird aus Gründen irgendeiner Erziehung, direkter oder indirekter Art, als etwas Hässliches, Negatives, nur zum Zwecke der Zeugung von Nachkommen Erforderliches gesehen. Was vielleicht Ursache irgendwie gearteten religiösen Einflusses ist, was bei Frauen eher vorkommt.

Eine Beziehung kann auf Dauer nicht funktionieren, wenn es keine geistig-seelisch-körperliche Beziehung ist, wenn ein Partner die dazugehörige körperlich-sexuelle Beziehung als negativ empfindet.

Eine weitere fatale Konstellation: Eine Frau leidet unter krankhaftem Geltungsbedürfnis aufgrund irgendwelcher Prägung in der Kindheit durch die Eltern. Da es üblich ist, in den meisten Gesellschaften, dass die Männer die erste Geige spielen, wird ein Mann, – außer, wenn er, wieder aufgrund irgendwelcher Eindrücke in seiner Kindheit, unterwürfig ist, sich das nicht auf Dauer gefallen lassen. Die Männer wollen, sagen wir mal, ganz natürlich, immer die erste Geige spielen, – oder – sie wollen es gar nicht, verhalten sich aber so – und dies lassen sich auf Dauer nicht mehr alle Frauen gefallen.

Eine Beziehung kann auf Dauer nicht funktionieren, wenn kein ausgewogenes, ausbalanciertes Nehmen und Geben, Bestimmen und Zustimmen beider Seiten erreicht wird.

Es gibt eine Vielzahl von Verhaltensstörungen, über die die Psychologen Auskunft geben können. Viele Störungen haben ihre Ursache in falschem Verhalten aufgrund von Unwissen, im „nicht gelernt haben“.

Kehren wir zurück zu den Tatsachen, Problemfeldern, Erscheinungen, die uns alle betreffen, die wir beispielsweise nicht von solchen leichteren, aber echten Krankheiten und Mängeln unterscheiden. Hier sind grundsätzliche Aspekte zu beachten.

Um dies deutlicher zu machen, müssen wir zunächst einen Ausflug in die Lehre der Irenik machen.

"Irenik" - was ist das, woher kommt das?

Irenik (von gr. „Eirene“, der Frieden) ist Friedenslehre oder – forschung und beschäftigt sich mit den Prinzipien, nach denen unser Gehirn funktioniert. Sie lehrt uns, wie der Mensch eigentlich aufgebaut ist, wie wir ihn (unser Gegenüber) behandeln müssen, damit er positiv auf uns reagiert, wie wir also durch Anwendung der irenischen Prinzipien „Frieden“ erreichen oder schaffen können. Die Irenik beschäftigt sich also mit einem menschlichen Grundanliegen. Schon in der Bibel heißt es z. B.: Selig sind die Friedfertigen, .... [das heißt nicht: Die „Friedlichen“, sondern die, die den Frieden verfertigen] also Arbeit leisten). – Die Irenik hat mit „üblicher“ Friedenslehre nichts zu tun, bei genauerem Hinsehen erkennt man: Sie ist aber die eigentliche Friedenslehre.

Das eigentliche Ziel des täglichen Denkens und Handelns ist der Gewinn von „Zufriedenheit“, Wohlgefühl und im weitesten Sinne Lust. Alle Menschen streben nach Erfolg in den unterschiedlichsten Bereichen, im Beruf, in unseren Beziehungen, in unseren politischen Bestrebungen. Erfolg macht zufrieden, Erfolg bedeutet Lust. Die Menschen werden zufriedener, wenn sie selbst und ihre Gegenüber das tun, was dem anderen gefällt, ihn positiv berührt und dadurch seinerseits in ihm eine positive Reaktion auslöst.

Die (nicht angewandte) Wissenschaftliche Irenik ist seit 1966 ein Studienfach innerhalb der Theologischen evangelischen Fakultät (Institut für Wissenschaftliche Irenik) der Universität Frankfurt/M. Die Wissenschaftliche Irenik ist nur deshalb in der theologischen Fakultät zu Hause, weil Prof. Philipp evangelischer Theologe wurde. Wiederentdeckt hat er aber das Prinzip der Irenik, weil er verschiedene andere Fächer studiert hat, z. B. auch Philosophie, Völkerkunde, Biologie und Psychologie. Das Institut für Wissenschaftliche Irenik beschäftigt sich mit Irenik vornehmlich im historischen Sinne; man forscht nach irenischem Bewußtsein (1), Denken (2) und Handeln (3) in der Geschichte, bei anderen Religionen, Philosophien etc. Das ist meines Erachtens aber zu wenig, wenn man „Frieden“ im weitesten Sinne erreichen will.

Angewandte Irenik gibt es bisher als Lehrfach nicht; Angewandte Irenik hat mit allen Gebieten zu tun: Physik, Medizin, Politik, Wirtschaft, Psychologie, Religion, mit dem gesamten Leben. Es handelt sich also um eine multiperspektivische Sichtweise der Welt und des Menschen. Die zukünftige Aufgabe des Instituts für Angewandte Wissenschaftliche Irenik ist, die Lehre der Irenik „unters Volk zu bringen.“Irenik bezieht sich auf den Ausspruch des Hirnforschers Prof. Wolf Singer, auch Direktor am Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt/M: „Das Gehirn sucht ständig nach Gründen (1), Zwecken (2) und Bezügen (3)“ Angewandte Irenik ist nichts anderes als die Lehre von „Aller guten Dinge sind drei“, oder: Jedes Ding (1), jeder Begriff (2), jeder Gedanke (3) hat/beinhaltet drei Seiten, Blickwinkel, Aspekte, Kategorien.

Der Sinnspruch „Aller guten Dinge sind drei“ gibt es in abgewandelter Form in jeder Sprache, so sagen

  • die Lateiner „omne trinum est perfectum“
  • die Italiener „Non c’è due senza tre“
  • die Spanier „A la ter-cera va la vencida“ („Beim dritten Mal klappt es“)
  • die Franzosen „Jamais deux sans trois“
  • die Niederländer „Driemal is scheepsrecht“
  • die Engländer „Third time lucky “
  • die Chinesen u. a. „san si ér xíng“ („Lieber dreimal nachdenken, bevor man handelt“)
  • die Türken „Allah’in hakki üctür“ („Gottes Recht bzw. Gerechtigkeit ist dreifaltig.“)
  • die Polen „Do trzech razy sztuka“ (Bis dreimal ist es eine Kunst).

Dieses Prinzip hatte aber schon der Grieche Ion von Chios (geb. 490 v. Chr.) erkannt; er machte die, wenn man es begriffen hat, eigentlich banale Aussage: Alle Dinge sind drei, und nicht mehr oder weniger als diese drei. Eines jeden Menschen Vortrefflichkeit ist eine Dreiheit: Verstand (1), Kraft (2), Glück (3).

Im konkreten Alltagsgeschehen heißt das: Will ein Dritter über mich ein Urteil über meine Vortrefflichkeit fällen, muss ich zunächst mit meinem Verstand ’was Vortreffliches produzieren. Dann muss ich die Kraft besitzen, es so „rüberzubringen“, dass es der Angesprochene auch erfährt (1), hört (2), sieht (3). Ein für mich positives Urteil ist aber nur dann möglich, wenn ich das Glück habe, dass der Angesprochene in der Lage ist, das auch zu verstehen, was er in kommunikativ-einfühlsamer Weise erfährt.

Irenisches Denken und Handel prägt uns – auch wenn uns das nicht bewusst ist

Nur zwei „Dinge“ oder gar nur ein „Ding“ sind also unzureichende „Dinge“, sind a priori falsche einseitige Vorstellungen und Ideen. Die normalerweise einseitige („parteiliche“) Betrachtungsweise der Ideen, Phänomene, Werte, Verhaltensweisen ist folglich eine ungenaue (1), unzureichende (2), falsche (3) Betrachtungsweise!

Das Gehirn (!) sucht ständig nach 1, 2, 3. Es drückt sich auch sehr oft automatisch in 1, 2, 3 aus, wie man überall feststellen kann. Unser Gehirn erkennt automatisch hinter jedem Begriff 1, 2, 3 in der Reihenfolge oder auch gleichzeitig miteinander: Musik (1) → hören (2) → angenehmer Zustand (3).

Diskussion Argumente „hin- und her bewegen“ Erkenntnis gewinnen oder Konsens oder einfach Unterhaltung,

Raum: Höhe, Breite, Tiefe
Mensch: Geist, Seele, Körper
Musik: Rhythmus, Harmonie, Melodie

Für unser Gehirn gibt es immer einen Anfang (1) eines Vorgangs – zuerst ist der/die Einfall, Idee, Anregung, Entschluss, Entwurf, Bild, Eingebung, Erleuchtung, Gedanke, Geistesblitz, Inspiration da – gefolgt vom Ablauf (2) des Vorgangs – es folgt Aktion, Aktivität, Handlung, Akt, Tätigkeit – an-schließend Ende (3) des Vorgangs – Ankunft, [Ab]Schluss, Ergebnis, Erfolg, [Aus]Wirkung, Ertrag, Effekt, Reaktion, Konsequenz, Produkt.

Auch wenn wir sprechen, folgen wir diesen Gesetzmäßigkeiten: Subjekt (1), Prädikat (2), Objekt (3). Im Karneval rufen wir dreimal Helau, TV-Sendungen heißen beispielsweise „Titel, Thesen, Temperamente“, „talk, talk, talk“ u. a.

Auch bei uns Menschen finden wir wieder die Dreierverteilung, die „Dreifaltigkeit“. Wir sind aufgegliedert oder zusammengesetzt aus drei Strukturen:

Athleten
= Ich-Struktur (1),
Leptosome = Du-Struktur (2) (die Langen und Dünnen),
Pykniker = Es-Struktur (3) (die Runden und Dicken).

Jeder Struktur sind bestimmte, uns aber unbekannte Denk-(1), Rede-(2) und Handlung-(3)sweisen und unterschiedliche Blickwinkel, unter denen wir unsere Welt sehen, zugeordnet. Aber wir alle denken nicht in gleicher, sondern in subjektiver individueller Weise.

Weil wir dies nicht wissen, entstehen Missverständnisse (1), Ärger (2), Vorwürfe (3) usw. würden wir die Irenik berücksichtigen, d.h. also die Strukturverteilung unserer Partner, könnten wir deren Reden (1), Verhalten(2) und Handlungsweisen (3) besser einordnen (1), besser verstehen (2), wüssten (3) wir, warum der andere sich so verhält oder so reagiert. Wir alle sind Mischungen aller drei Strukturen; aber in der Regel ist eine Struktur dominant.

 

Charakterisierung der Strukturen – Archetypen

 

1. Die Ich-Struktur ist immer Mittelpunkt, Zentrum.

Es gibt für diesen Typus nur ein Zentrum, deshalb ist Selbstreflexion wenig ausgeprägt. Deshalb muss sie – die Ich-Struktur – immer im Mittelpunkt stehen. Sie muss Karriere machen, sie muss immer, wo möglich, Chef spielen und Chef sein, sie muss immer bestimmen. Alles was geschieht, was gesagt wird, bezieht sich auf sie, da es nur ein, das eigene Zentrum gibt. Für die Ich-Struktur gibt es keine Bezie-hung. Was sie sagt, das ist sie. Sagt man z. B. einem ich-strukturierten Menschen „du redest dummes Zeug“, dann hört er „du bist bescheuert“.

Eine Ich-Struktur macht nie etwas falsch. Sie kann nicht zugeben, dass sie etwas falsch gemacht hat, sie wird immer Ausreden und Begründungen für ihr z.B. falsches Handeln haben. Alle müssen sich mit ihr identifizieren. Beispiel: alle Mitarbeiter müssen die gleichen Formulare verwenden, in gleicher Weise Berichte verfassen, den gleichen aufgeräumten Schreibtisch haben, die gleichen Argumente verwenden, dem Chef in jeder Hinsicht entsprechen. Die Ich-Struktur muss sich natürlich genauso nach oben identifizieren, das heißt, dem Chef nach dem Munde reden, ihm immer zustimmen.

Die Ich-Struktur verlangt die Anerkennung, „muss“ Anerkennung erfahren; die Schlussfolgerung daraus ist: Wir alle haben zumindest auch Ich-Struktur, deshalb ist Anerkennung für uns alle wichtig, was wiederum ein entsprechendes Verhalten unsererseits gegenüber unseren Mitmenschen erfordert.

Die Ich-Struktur kann nicht denken, ... sie kann nur entscheiden. Für sie gibt es kein Beziehungsgefüge. Sie kann nicht zuhören, sie kann nur sich selbst hören. Sie kann nicht genießen usw. „Sie kann nicht“ bedeutet, dass dies und jenes für sie nicht existiert.

Jeder Mensch kann doch denken, wird man einwerfen. Sicher, da wir alle Mischungen der 3 Strukturen sind. Ein Mensch aber, bei dem die Ich-Struktur im Vordergrund steht, kann vergleichsweise nur schlecht denken, d. h. was solch ein Mensch von sich gibt, ist relativ unausgegoren, unvollständig, vor allem oft sehr widersprüchlich. Wenn wir wüssten, dass die Menschen nicht gleichermaßen denken können, müssten wir uns über gewisse Mitmenschen nicht mehr wundern oder ärgern. Wir wüssten Bescheid und nähmen es gelassen.

Wenn wir das Ganze so im Hinblick auf die oder unsere Partnerschaft Revue passieren lassen, dann müssen wir eigentlich feststellen, dass es meistens unsere Ich-Struktur ist, die uns ein Bein stellt. – Denken wir an das Beleidigtsein unserer Ich-Struktur und die daraus resultierende Missachtung unseres inneren wahren ganzheitlichen ICHs.

Hierzu eingefügt ein Text aus dem ISUV-Report 2008


  • Ernst Geiler, Familienrichter a. D., RA und Mediator
  • hier weiterlesen

beschäftigt sich dort mit dem Beziehungsgefüge, in dem die Ich-Struktur eine primäre Rolle spielt. Er schrieb unter dem Titel „Weniger Trennungen und Scheidungen durch eine positive Streitkultur unter den Partnern“ u.a.:

Nach den Flittermonaten und Jahren kommt eine neue Phase, in der Schattenseiten des Partners nicht mehr so wie am Anfang einer Beziehung akzeptiert werden. Es gehört mit zu den größten Irrtümern zu glauben, dass der Partner sich durch die Ehe noch entsprechend positiv nach dem Willen des anderen Partners ändern wird. Es ist leider davon auszugehen, dass die Persönlichkeitsstruktur weitgehend geprägt wird durch genetische Faktoren und die frühkindliche Prägung. Änderungen des anderen Partners sind später nur noch in sehr eingeschränktem Umfang, wenn überhaupt, möglich.

Kommentar in kursiv: Hier wird a) die Sichtweise des einen Partners gegenüber dem anderen angesprochen, – was per se nicht statthaft ist, da die Sichtweise des einen über den anderen allein gar nicht betrachtet werden darf – und b) das Sein nicht vom Verhalten unterschieden. Das Verhalten kann man ändern, das Sein natürlich nicht. Die Verhaltensänderung ist aber u. U. eingeschränkt, wenn frühkindliche negative Prägungen eine bestimmende Rolle spielen. In solchen Fällen hilft dann nur noch eine Behandlung durch einen versierten Psychotherapeuten, was aber meist abgelehnt wird, denn man ist ja nicht verrückt, was aber beweist, dass man „verrückt“ ist, verrückt in Sinne von weit entfernt von einer ausgeglichenen Position.

Konfliktsituationen gehören in einer Partnerschaft und einer Ehe zum normalen Alltag. Die Frage ist nur, wie sie gelöst werden. Hier kommt es entscheidend auf eine positive Streitkultur an. Konflikte sind Be-standteil jeglichen Zusammenlebens. Da sie aber häufig als Kampfsituationen wahrgenommen werden, entfaltet sich leicht eine innere Konfliktdynamik, die eine friedliche konstruktive und gewaltfreie Regelung nicht mehr möglich macht. Dabei ist die Einstellung, dass der eigene Gewinn nur durch den Verlust des Gegners zu erzielen sei, weit verbreitet. Der eigene Vorteil wird wahrgenommen durch immer intensiveren Einsatz oder striktes Beharren auf der eigenen Position – selbst dort, wo sich Misserfolge abzuzeichnen beginnen. Die Standpunkte verhärten sich und prallen aufeinander. Es kommt im weiteren Verlauf zu direkten Angriffen, die auf den Gesichtsverlust des Partners abzielen.

Der Kampf der Ich-Strukturen!
„Der eigene Vorteil wird wahrgenommen durch immer intensiveren Einsatz oder striktes Beharren auf der eigenen Position“ – wie unsinnig. Wie heißt es? „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ Ein solches Verhalten hat mit Selbstliebe nichts mehr zu tun; mit Lustgewinn schon gar nicht. So ein Verhalten richtet sich gegen sich selbst. Man meint, man dürfe sein Gesicht nicht verlieren, gegenüber demjenigen Menschen, dem man schon alles offenbart hat! Wie irrsinnig!


Jedes Jahr lassen sich rund 200.000 Paare scheiden. Wenn man genauer hinschaut, findet man noch weitere wenig Mut machende Zahlen. Während rund 40 % aller Erst-Ehen in die Brüche gehen, sind es bei den Zweit-Ehen schon 60 %. – Hinzu kommt, dass sich so viele Paare im Alter trennen wie noch nie. Nach 20 oder 30 Jahren sagen meist die Frauen: Jetzt ist Schluss, ich will endlich frei sein und nochmal was „erleben“.

Was führt zur Eskalation, was führt zum Bruch? Tatsachen schaffen, beleidigende Sprache, Bloßstellen des Partners, vorwurfsvoll sein, nur einseitige Interessen berücksichtigen, keinen Ausweg lassen.

All dies erzeugt unser Unwissen, die oft im Vordergrund stehende Ich-Struktur bzw. ihre Herausforderung durch das Verhalten des Partners und die deutliche Missachtung unseres inneren Wollens, Lust zu gewinnen. Wir missachten den Sinn unseres Lebens und sind lieber im vollen Sinne irrsinnig. Wir lassen unseren Egoismus vermissen, den positiven Egoismus, der uns sagen ließe, ich bin doch nicht verrückt und handle gegen mich selbst.

Damit es nicht zu diesem hohen Prozentsatz Trennungen bei Zweitbeziehungen kommt, ist es also notwendig, vor einer Zweitbeziehung Regeln zu lernen.

 

2. Bedeutung der Du-Struktur für eine funktionierende Gruppe/Gemeinschaft

Die Du-Struktur bedeutet die normative Beachtung des Beziehungsgefüges. Das Anliegen der Du-Struktur ist das Funktionieren eines Systems, eines biologischen, chemischen, physikalischen oder sonstigen Versuches oder Prozesses, des Ablaufs einer Handlung, des Funktionierens einer Gesellschaft, einer politischen Organisation, einer Partnerschaft.

Du-Struktur bedeutet das Miteinander von Teilen, z. B. Menschen. Was die Du-Struktur sagt, das ist sie nicht! Wenn ihr einer sagt, „du redest Blödsinn“, dann antwortet sie, „macht nichts, versuche ich eben in Zukunft, nicht mehr Blödsinn zu reden, werde versuchen, es besser zu machen“. Eine Begründung für dieses und jenes Handeln ist bei der Du-Struktur nicht eine Ausrede, sondern eine Erklärung für das Verständnis des anderen, warum man so und so geredet oder gehandelt hat. Vom Gegenüber wird eine solche Erklärung aber oft als Ausrede verstanden, da Ausreden so häufig und üblich sind.

Die Du-Struktur kann nicht entscheiden, sie kann denken. Für die Du-Struktur gibt es immer 1000 Möglichkeiten und Wege. Eine Entscheidung für 1 unter 1000 ist für sie unmöglich.

Für die Du-Struktur gibt es keine Hierarchie, alle Mitglieder einer Gesellschaft haben den gleichen Wert. Die Du-Struktur muss immer erklären. Sie wird selten Karriere machen, ein Manko, wenn eine Ich-Frau die Karriere ihres Partners erwartet.

 

3. Die Es-Struktur

Die Es-Struktur läßt es geschehen, was keine Eigenaktivität bedeutet. Sie erfreut sich an der bunten Welt, der Zustand ist das Maßgebende, das Genießen, die Lust, das Wohlgefühl, das Empfinden, usw. – Ich strebe nach dem Lust-Zustand , die Es-Struktur ist unser Ziel.

 

Verteilung der Strukturen bei Männern und Frauen

 

Wir alle sind Ich-, Du-, Es-Struktur zusammen, sonst wären wir einfach nicht da. Wie oben schon erwähnt, haben wir jeweils unterschiedliche Anteile dieser Strukturen. Aufgrund dieser unterschiedlichen Anteile denken, reden und verhalten wir uns verschieden, müssen wir uns verschieden verhalten. Ein eklatantes Beispiel ist das Verhältnis der Geschlechter zueinander. Der Mann weiß in Wirklichkeit nicht, was eine Frau ist und behandelt sie, als wäre sie ein Mann. Dasselbe tut umgekehrt die Frau mit dem Mann.

Männer wie Frauen haben Ich-, Du-, Es-Struktur, nur ist die grundsätzliche Verteilung in der Regel anders: Männer sind ICH, Du und es oder DU, Ich, es; Frauen sind eher ICH, Es, du oder ES, Ich, du. Natürlich gibt es alle Abweichungen von dieser Verteilung; es gibt auch du-strukturierte Frauen (DU, Ich, es) und Es-strukturierte Männer (ES, Ich, du), aber vergleichsweise weniger.

Männer denken eher beziehungsmäßig, Frauen eher zustandsmäßig. Letzteres Denken ist notwendig für den ganzen Bereich der Erziehung, der Gesundheit und Krankheit, des gesamten Bereichs des Wohlergehens der Familie, des Haushalts, Ausgestaltung des Betriebslebens, der Kommunen, des Umfelds und Erscheinungsbildes einer jeden Gemeinschaft, also überall da, wo es auf Erhaltung und Besserung eines Zustands ankommt. Kümmert man sich z. B. nicht um den eigenen Gesundheitszustand, kann dies das Leben kosten. Männer haben bekanntlich eine geringere Lebenserwartung.

Der Frau geht es vornehmlich um den Zustand, das Empfinden, das Gefühl; der Mann muss eher immer alles erklären, auseinanderpflücken, das Beziehungsgefüge darstellen; er hat weniger Sinn für ein Gefühl oder eine Stimmung.

Da wir diese Zusammenhänge nicht kennen, gehen, wie schon erwähnt, in der heutigen Zeit fast alle heterosexuellen Partnerschaften auseinander. Wollen wir, dass unsere Partnerschaften nicht scheitern, muss es unser Ziel sein, die hier beschriebenen Strukturen näher kennenzulernen.

Ändern können die Menschen ihre aus ihrer Strukturverteilung resultierenden Verhaltensweisen nur dann, wenn sie die Irenik bzw. die Strukturen kennen und folglich auf ihre naturgegebenen Mängel achtgeben und eingehen.

Trifft ein stark ich-strukturierter Mann auf eine ich-strukturierte, aber schwächere Frau, kann es funktionieren, weil sie sich beide identifizieren müssen. Oder zwei gleichstarke Ich-Strukturen treffen aufeinander, die zeitlebens in Konkurrenz zueinander stehen und leben, beide wollen immer Recht haben, bei u. U. gegensätzlichen Vorstellungen. Gut funktionieren kann es, wenn beide gleiche Ansichten und Interessen haben. Oder die Frau ist eine stärkere Ich-Struktur und der Mann muss sich unterordnen, dann können vielleicht beide zusammen bleiben, aber eine befriedigende Beziehung ist dies nicht. Insbesondere in unserer Welt, wo noch immer die Männer das Sagen haben und letztendlich die Frauen meist Männer haben wollen, zu denen sie nicht herabblicken müssen. Es gibt unterschiedlichste Kombinationen.

Die Verteilung der Denkarten bedeutet hier bei den Frauen, dass es extrem weibliche, normal weibliche als Mehrheit und männliche Frauen gibt. Männliche Frauen sind irgendwie etwas identisch mit weiblichen Männern, neben anderen Unterschieden, die diskutiert werden, wie Hormonverteilung, unterschiedliches Funktionieren des Gehirns, aber das können ja diese Auswirkungen sein, die uns die unterschiedliche Strukturverteilung erkennen lassen.

Bei den Frauen haben die männlichen Frauen das Sagen, sie stellen fest: was die Männer können, können wir ebenso. Beweise gibt es. Und alle Frauen stimmen zu, weil sie nicht wissen, dass diese Vorbildfrauen gar nicht die Mehrzahl der Frauen repräsentieren. Diese Frauen tun auch gar nichts für ihre Geschlechtsgenossinnen, die ja in der Mehrzahl weibliche Frauen sind.

 

Wie wirkt sich unterschiedliches Denken von Mann und Frau in der Beziehung aus?

 

Typisches Beispiel: Die Partnerin hat nach dem Mittagessen alles erledigt, den Abwasch, den Abfall in den Mülleimer befördert, der nun voll ist. Sie bittet ihn, den Mülleimer zu leeren. Er bekundet seine Zustimmung mit einem einfachen „Ja“. Aus ihrer Sicht folgt anschließend nichts, er schafft den Mülleimer nicht raus, und schon ist sie verärgert.


Nehmen wir an, er hat es nicht vergessen, dann wird er an seine Tätigkeiten gedacht haben, die er noch vorhat, und wird sie zum Eimerentleeren in Beziehung gesetzt haben. In seiner Vorstellung braucht sie den leeren Mülleimer erst wieder, wenn sie das Abendessen vorbereitet, also hat er noch Zeit, und wird den Eimer entleeren, wenn es in seinen Tätigkeitsablauf gerade hineinpaßt.

Aber: Für sie muss der Eimer sofort entleert werden, denn in ihrer Vorstellung herrscht nun ein unerträglicher Zustand: Unter der Spüle steht ein voller, stinkender, gammelnder, schimmelnder, dampfender Mülleimer voller Fliegenmaden, Pilze und Bakterien!

Für ihn kein Problem, denn in der kurzen Zeit, in der der Eimer in seiner Vorstellung noch unter der Spüle steht, passiert nicht mehr viel, auf diese 2 Stunden kommt es jetzt auch nicht an.

Aus der männlichen Sicht hat er vollkommen recht, er findet ihre Sichtweise völlig bescheuert. Die allermeisten Frauen und Männer konnten mir dieses Beispiel bestätigen, genauso liefe es ab und verursache Ärger. Warum? Weil beider Reaktionsweise bedeutet, dass sie den anderen nicht anerkennen.

Hätten beide gelernt, was Mann und was Frau ist, dann könnte obiger Vorgang folgendermaßen ablaufen: Sie weist darauf hin, dass sie wüsste, wie er als Mann denkt und er wüsste ja, wie sie sich befinde, und deshalb möchte er doch dennoch gleich den Eimer entleeren. Er würde antworten, er wüßte das und berücksichtigte es, aber er hätte noch gerade eine ganz dringende Sache zu erledigen, würde nur ½ Stunde dauern, dann würde er gleich den Müll entsorgen, ob sie damit einverstanden wäre? Weil so beide die Veränderung ihrer Verhaltensweise anerkannt hätten, wären beide für den Kompromiss bereit.

Tatsächlich müssen wir uns aber klar machen, dass zur richtigen Beurteilung eines Gesamtgeschehens alle drei Blickwinkel gehören, alle drei, zusammen „haben Recht“. Bei Auseinandersetzungen in einer Partnerschaft aber finden wir meist nur die Ich- und Du-Blickwinkel, der Es-Blickwinkel, den z. B. ein Paartherapeut einnehmen würde, fehlt in den meisten Fällen.

Was gelehrt wird, ist vielen von uns bekannt. Wir sollen nicht immer Du-Sätze, sondern Ich-Sätze verwenden, damit der andere nicht in die Situation versetzt wird, erst einmal einen „Angriff“ abwehren zu müssen. Also solche Sätze wie: „Du hast“, „Du bist“, das sind quasi Verurteilungen, die die Ich-Struktur des Gegenüber quasi angreifen. Fakt ist: Ich-Sätze sagen nur, dass ich das so fühle, so empfinde. Der Partner kann dann ausweichen, korrigieren, sich selbst relativieren, ohne das etwas Negatives vorher entstanden ist, etwa ein Mißverständnis oder Schlimmeres.

Voraussetzung, dass in Zukunft alles besser funktioniert, ist das Wissen über die Andersartigkeit des Partners anderen Geschlechts. Es wird uns nicht mehr dazu verleiten, diese negativen Du-Sätze zu sagen. Beide werden sich am Anderssein des Partners nicht mehr stören, sondern Anderssein des Denkens, Fühlens des Partners als bereichernd akzeptieren, den Partner ganz besonders lieben.

Voraussetzungen für eine bessere neue Beziehung

 

Voraussetzung aber für die Berücksichtigung mancher Fakten, Gegebenheiten, Gesichtspunkte, ist, dass BEIDE Partner diese Fakten kennen. Denn ein Mitteilen neuer Fakten gegenüber dem uninformierten Partner kann leicht als Belehrung aufgefaßt werden. Eine spätere Information – „in Form bringen“ – wenn es vielleicht schon kriselt, ist noch viel weniger geeignet.

Als weiterer Punkt wäre zu beachten, dass beide sich gegenseitig offenbaren über ihre Vorstellungen, Gedanken, ihren Lebensstil, ihre Vorlieben, Abneigungen, Interessen, Fähigkeiten, Hobbys und auch politische Denkweisen oder Ausrichtung.

Man offenbart sich dem anderen, was kein Problem sein sollte. Denn man will ja auch mit dem Partner schlafen, was ja eine totale körperliche Offenbarung ist. Es gibt also keinen Grund, wenn man bereit ist, sich körperlich zu offenbaren, dies nicht genau so auf geistig/seelischem Gebiet zu tun.

In sich hineinschauen zu lassen ist deshalb kein Problem, weil es egal ist, was der Nachbar von mir weiß. Meine Würde und Ehre habe ich trotzdem. Was soll das sich Verstecken, andere nicht an sich heran kommen zu lassen?

Haben sich schließlich die Partner kennen gelernt, können sie sich überlegen, ob eine neue Partnerschaft gelingen kann. Sind die Interessen, Vorlieben, Verhaltensweisen von beiden bekannt, sind sie sehr ähnlich, sind die Voraussetzungen gut. Gibt es viele Unterschiede, macht man einen Vertrag – einen Ehevertrag sollte man ja heutzutage sowieso abschließen, wo man in gewissem Sinne festlegt, wie man vorgehen will.

Der eine ist ein Frühaufsteher, der andere ein Langschläfer, der eine will oft verreisen, der andere bleibt lieber faul zu Hause, der eine will gern unter die Menschen, der andere lebt lieber etwas zurückgezogener, der eine treibt Sport, der andere nicht, der eine liebt das Meer, der andere das Gebirge, der eine ist eher Sozialist, der andere Liberalist.

Hinsichtlich Gebirge, Meer, Schlafgewohnheiten, Geselligkeit usw. dürfte es kein Problem sein, einen Mittelweg zu finden, also einmal ins Gebirge, das nächste Mal ans Meer. Wir verlieren natürlich bei diesen Änderungen unserer Lebensgewohnheiten, gewinnen aber auf der anderen Seite ein Vielfaches. Alles dient dazu, um eine liebevolle, andauernde und befriedigende Beziehung zu erreichen.

Da die Sinnlichkeit in der Liebe eine Rolle spielt, hat man dafür zu sorgen, dass man einigermaßen in äußerer und innerer Form bleibt, dass man ansehbar bleibt, was bedeutet, dass sich der Sportfaule bequemen wird, auch Sport zu treiben.

Es ist für eine künftige Partnerschaft notwendig, herauszuarbeiten, welches Strukturgefüge man hat: Man anerkennt, dass man dies oder jenes nicht so gut kann, dass man für dies und jenes weniger geeignet ist und regelt dann entsprechend das Miteinander.

Derjenige, der sehr viel Ich-Struktur besitzt, muss wissen, dass er sehr spontan reagiert, besser spontan agiert; zu viel Spontaneität ist nicht gut, der eher Du-Strukturierte handelt zielgerichtet, man könnte seine fehlende Spontaneität monieren. Dem eher Es-strukturierten, der reaktivkausal handelt, könnte man vorwerfen, dass er seinen Hintern nicht hochkriegt, dass er keine Eigeninitiative entwickelt, und sich immer alles sagen lassen muss. Der Ich-strukturierte interessiert sich kaum für die Vergangenheit, also an das Erinnern, an Erinnerungsstücke, Begebenheiten. Er wirft ohne Gewissensbisse alte Stücke weg, die der andere vielleicht liebgewonnen hat.

Das alles hört sich sehr egoistisch an und erzeugt vielleicht Widerspruch. Wir haben ja noch nicht gelernt, einen positiven Egoismus zu praktizieren. Egoismus hat für uns einen negativen Beigeschmack. Die Argumentation „positiver Egoismus“ betrifft unser Großhirn. Da wir heute ein Großhirn entwickelt haben, sollten wir es auch benützen, als Stütze für eine andauernde Liebesbeziehung.

Noch ein Blick auf den Seitensprung, den manche als förderlich für eine Partnerschaft erachten. Sie denken da nur ganz negativ egoistisch an sich. Würden diese Vertreter sich selbst in der Situation sehen, dass ihnen der Partner einen anderen vorgezogen hätte, würden sie sauer reagieren. Kommt es zu einem Seitensprung, muss man feststellen, dass es in der Beziehung ein Manko gibt, dass sie nicht mehr „ganzheitlich“ ist. Es gibt dafür aber auch noch andere Erklärungen, beispielsweise eine ungünstige, für die Partnerschaft nicht förderliche Hormonverteilung.

Noch ein Punkt, der zu beachten ist. Er bezieht sich auf Erotik, Sex. Wir können konstatieren, die Sexualität ist das Streben zum anderen Geschlecht. Die Erotik bezeichnet das Verhalten, das zur Vereinigung führen soll, was unserem Es entspricht. Wir hatten festgestellt, wir arbeiten, um Lust zu gewinnen. In diesem Fall ist Erotik Arbeit. Oft lassen die Partner nach und nach diese Arbeit vermissen.

 

Fazit

 

Das Wissen über die Denkweise des Partners, die Kenntnis der Hintergründe seiner Verhaltensweisen und seines Andersseins sollen zur Aufmerksamkeit gegenüber dem Anderen, zu einem Mitempfinden und zu einem dem partnergerechten Verhalten führen. Zu diesem Verhalten gehört das entsprechende Reden. Gesprächsbereitschaft muss immer vorhanden sein, auch wenn das eigene Ich gerade mal seine Ruhe haben will, der Andere aber vielleicht eine sprachlose Zeit hinter sich hatte. Umgekehrt muss der andere Partner die nötige Empathie mitbringen, und den Anderen nicht mit einem Redeschwall überfallen, also Mitempfinden von beiden Seiten. Und wenn geredet wird, die richtige elastische Sprache ohne Verhärtungen und Feststellungen, also Ich-Sätze und nicht Du-Sätze. Somit verstehen wir die andere Sprache, die andere Gefühlswelt des Partners, seine Andersartigkeit, die wir lieben. Letzte Erkenntnis sollte immer sein, dass wir leben, um Lust zu gewinnen. Wir sollten also in Zukunft positiv egoistisch darauf achten, alles zu unterlassen, was uns Lustverlust bringt. Die größte Lust ist immer die, dem Partner die größte Lust zu verschaffen. – Ich tue etwas für den Anderen, weil ich ihn liebe und die Liebe ewig bestehen bleiben soll.

Dr. Ulrich Neumann, Institut für Angewandte Wissenschaftliche Irenik

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