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Wenn Mediation erfolgreich sein soll, müssen folgende Punkte beachtet werden

1. Das Mediationsverfahren geht davon aus, dass spätestens im Verlauf des Verfahrens eine verlässliche Haltung der Verbindlichkeit erzielt wird, was bedeutet, dass nur dann, aber auch immer dann eine Abänderung angestrebt wird, wenn sich herausstellt, dass – aus welchen Gründen auch immer – für einen oder für beide die Vereinbarung nicht akzeptabel erscheint. Es besteht der Konsens, dass dann versucht wird, nachzubessern. Das ist dann auch unbedenklich, denn die Beteiligten haben die Grundhaltung von Loyalität und Solidarität. Die geltenden formalistischen Verbindlichkeitsregeln haben bei dieser Grundeinstellung ihren Sinn verloren. Diese Idee der nachehelichen Loyalität liegt zwar auch dem geltenden Familienrecht zugrunde, sie wird aber durch die kontradiktorische Streitkultur und eine Kultur der Verstärkung der  Interessengegensätze konterkariert.

2. Wie man sich denken kann, ersparen sich die Betroffenen bei diesem Verfahren erhebliche Kosten. Es bleiben nur die Kosten der Mediation und der Scheidung ohne Folgesachen mit einem Rechtsanwalt. Die sonstigen psychischen und sozialen Folgen für alle Beteiligten – besonders die gemeinsam – wenn auch im Wechsel – betreuten Kinder – brauchen nicht näher dargestellt werden.

3. Es wird nicht verkannt, dass dies in der Praxis unserer Gesellschaft als Idealfall noch die Ausnahme darstellt. Aber wenn in diese Richtung sozial-pädagogisch und –therapeutisch effektiv gearbeitet wird, gelingt die Verwirklichung viel öfter, als die Skeptiker wahrhaben wollen. Dass von außen noch die sozialpolitische Förderung dazukommen müsste, versteht sich von selbst.

4. Die gegenwärtige Praxis bedeutet, dass zusätzliche Kosten entstehen von zwei – oft miteinander streitenden – Rechtsanwälten und dem Notar, der meist nichts anderes macht, als den von den Rechtsanwälten erarbeiteten Vertrag von seinen Mitarbeitern nochmal – mit vielen Floskeln klausuliert ausgeschmückt – schreiben zu lassen und dann selbst – für die Betroffenen unverständlich – vorzulesen.

5. Daraus resultiert meine Forderung: Mediations-Rechts-Anwalt und Notar sollten ein und dieselbe Person sein. Denn die Beurkundung stellt nur den weniger arbeitsintensiven Verfahrensakt dar. Der entscheidende Arbeitsaufwand wird durch die Erarbeitung der Vereinbarung – mit dem Inhalt der optimierten Durchorganisierung des Lebens während und nach der Scheidung – geleistet. In diesem Fall blieben dann auch die Kosten in einem annehmbaren Rahmen. Natürlich müsste dieser Notar eine qualifizierte Zusatzausbildung und eine veränderte Berufsauffassung haben.
6. Wenn noch eine gesetzliche  Mediations-Kosten-Hilfe-Regelung dazu kommen würde, könnte dieses integrative Verfahren auch den ärmeren Bevölkerungsschichten zu Gute kommen.
7. In der gegenwärtigen Praxis ist schon auch angedacht, dass für alle Bürger – mit Hilfe der staatlichen Verfahrenskosten-Hilfe auch für die ärmeren – eine Mediation ermöglicht wird, da somit einvernehmliche Regelungen gefördert werden. Diese Aufgabe ist im geltenden Recht den Familien-Richtern übertragen, welche dafür jedoch nicht qualifiziert ausgebildet sind. Für diese, wie für die sonstigen Helfer ebenso für engagierte „Aktive“ gilt: Für die Ausübung dieses anspruchsvollen Berufs genügt in aller Regel nicht allgemeine Lebenserfahrung und soziales Engagement, der Erfolg hängt an der Professionalisierung!

Fritz Burkhardt

Mediator, Richter i. R., Kontaktstellenleiter in Traunstein

 

10.07.2018 - Kategorie Neuigkeiten

Autor: Josef Linsler

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