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Zu viele Frauen in der Justiz? Nachteil für die Bürger? Männerquote? Jetzt reicht´s aber – sagt die juristische Gendervertretung

Wie in keinem anderen Land der Welt schreitet in Deutschland die natürliche Gleichheit der Geschlechter mit dem unvergleichlichen Charme einer Gänsedistel voran. Nun ist die Genderpolitik auch an den Toren der Justiz angekommen. Zu viele Frauen in schwarzen Roben klagt da ein Fernsehjournalist – und fordert dann auch noch eine Männerquote. Die juristische Gendervertretung kann derartige Meldungen nicht auf sich sitzenlassen, da geht es ums Eingemachte, dieser Genderbund hätte seine Legitimation verloren. Daher überrascht folgende Botschaft nicht:

Juristinnenbund verurteilt Kritik an steigendem Frauenanteil in der Justiz

Der Deutsche Juristinnenbund (djb) kritisiert die Auffassung des Fernsehjournalisten Joachim Wagner, dass die Entwicklung zu einem höheren Frauenanteil bei Richter- und Staatsanwaltschaft negative Auswirkungen habe. Dies geht aus einer Mitteilung des Verbands vom 20.04.2017 hervor. Die Kritik beziehe sich auf ein Interview im Kundenmagazin eines Fachverlags. Darin heiße es: “Durch Schwangerschaften, Elternzeit und hohe Teilzeitquoten verlängert sich die Dauer der Verfahren, verschärfen sich Organisationsprobleme und verschlechtert sich die Erreichbarkeit von Richterinnen für Bürger und Rechtsanwälte.” Nach Auffassung des djb ist keine dieser Behauptungen mit Fakten unterlegt.

Männer ziehen Anwaltschaft oder Industrie vor

Seit einigen Jahren werden vermehrt Frauen in der Justiz eingestellt. In manchen Ländern liegt der Frauenanteil in den Eingangsämtern sogar bei mehr als 50%, berichtet der djb. Die hohe Einstellungsquote bei Frauen sei allein Ergebnis der Anwendung des Leistungsprinzips und der Bestenauslese. Männer mit vergleichbar hervorragenden Examensnoten würden eher in die Anwaltschaft oder die Industrie streben. Dort würden bereits die Einstiegsgehälter erheblich höher liegen und schon nach einigen Berufsjahren nicht selten das Vielfache eines Richtergehalts erreichen, heißt es in der Mitteilung des djb.

Jeder Arbeitgeber muss für Schwangerschaften und Elternzeiten vorsorgen

Schwangerschaften und Elternzeiten – letztere nähmen erfreulicherweise auch Richter und Staatsanwälte vermehrt in Anspruch – seien gesetzlich geregelte Ausfallzeiten, für die der Arbeitgeber mit auskömmlicher Personalausstattung Vorsorge treffen könne und müsse: das sei in der Privatwirtschaft nicht anders als beim Staat. Teilzeitkräfte seien oft besonders effizient, hervorragend organisiert und würden häufig deutlich mehr arbeiten, als es ihrem Arbeitsanteil entspricht, stellten die Juristinnen klar.

Qualität der Justiz abhängig von Qualifikation und nicht vom Geschlecht

Wagner meine, durch den wachsenden Frauenanteil verliere der Richterberuf an Ansehen in der Gesellschaft und an Attraktivität für Männer. Hier dürfte Wagner nach Auffassung des djb Gesellschaft und Männer unterschätzen. Die Juristinnen bezweifeln, dass eine Lösung in Form einer “Männerquote” zielfördernd ist. Das habe 1986 schon einmal Rudolf Wassermann, damals Präsident des Oberlandesgerichts Braunschweig, gefordert.

djb begrüßt Verbesserungen in den vergangenen Jahren

Es sei zu begrüßen, dass viele Länder die früher durchaus übliche Diskriminierung von Frauen durch Einstellung schlechter qualifizierter Männer inzwischen aufgegeben haben, so der djb. Künftig wollen die Juristinnen sehr genau beobachten, ob die Länder die Qualitätsanforderungen für Richter und Richterinnen senken, um mehr Männer einstellen zu können, erklärte djb-Präsidentin Ramona Pisal. “Die Qualität der Justiz in Deutschland und ihr Ansehen hängen von der Qualifikation der in ihr Tätigen und nicht vom Geschlecht ab”, betonte sie.

Quelle beck aktuell

21.04.2017 - Kategorie Neuigkeiten

Autor: Josef Linsler