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Zwei Anträge zum Wechselmodell: Paradigmenwechsel im Familienrecht – oder weiter so?

Am Donnerstag 15. März liegen dem Bundestag zwei Anträge zum Wechselmodell vor. Der Antrag der FDP möchte das „Wechselmodell als Regelfall einführen“, der Antrag der LINKEN möchte „Keine Festschreibung des Wechselmodells als Regelfall“. Beide Anträge berufen sich auf das Kindeswohl. Die FDP möchte das Wechselmodell quasi als Leitplanke für das Kindeswohl vorgeben, während die LINKE das Kindeswohl am besten darin gesichert sieht, wenn die Rollenteilung in der Ehe auch nach der Trennung beibehalten wird: Also weiter so, das Kind gehört „nämlich den Frauen“. – „Wir begrüßen es, wenn das Wechselmodell Regelfall wird, schließlich haben wir es vor sechs Jahren mit einer Broschüre auf die öffentliche Agenda gebracht und seit Jahren immer wieder dafür geworben. Trotz unterschiedlicher Auffassung begrüßen wir beide Anträge, weil sie eine breite öffentliche Diskussion anschieben“, hebt der Vorsitzende des Interessenverbandes Unterhalt und Familienrecht (ISUV), Rechtsanwalt Klaus Zimmer hervor. 

Der Verband setzt sich seit Jahren für einen Paradigmenwechsel im Familienrecht mit dem Argument ein: Ehen können scheitern, Kinder dürfen nicht in einen Loyalitätskonflikt versetzt werden, sich für einen Elternteil entscheiden zu müssen. Dieser Konflikt wird durch das Wechselmodell ausgeschlossen. Als Paar getrennt, aber gemeinsam erziehen, das wollen nach einer 2017 veröffentlichten Befragung des Instituts für Demoskopie in Allensbach im Auftrag des Familienministeriums die Mehrheit der Trennungseltern. Das Wechselmodell entspricht somit dem Wunsch der Trennungseltern.

Ebenso ist das Wechselmodell eine gesellschaftliche Notwendigkeit, denn es bietet beiden Eltern den organisatorischen Rahmen, dass sie berufstätig sein können. Die Berufstätigkeit beider Eltern nach Trennung und Scheidung schützt vor Altersarmut. „In den meisten Fällen schützt nur die Berufstätigkeit beider Eltern vor Scheidungs- und Kinderarmut. Wird das Wechselmodell praktiziert, werden Betreuungskosten eingegrenzt, ein hoher Grad an Betreuung kann durch beide Eltern selbst geleistet werden“, betont ISUV-Pressesprecher Josef Linsler.

Das Wechselmodell ist kein deutsches Experiment, sondern in Schweden und Belgien seit 2006 Regelfall, in Frankreich ist es Leitbild, in Italien, in den USA, in Australien wird es praktiziert. Der Europarat hat sich 2015 einstimmig für das Wechselmodell ausgesprochen. Nach Artikel 9 der Kinderrechtskonvention haben Kinder Anspruch auf Umgang mit beiden Eltern. „Es ist erklärtes Ziel der Koalitionsparteien die Kinderrechte ins Grundgesetz aufzunehmen. Es wird spannend sein, wie sie sich beim Wechselmodell positionieren“, merkt Pressesprecher Linsler an.

Rechtsausschuss und Regierung sind gefordert:

In diesen rauhen Zeiten scheinen die Spielregeln des Parlamentarismus ausgehebelt zu sein, die Opposition macht sich selbst Opposition. Jetzt ist die Regierung gefordert sich zu entscheiden für Paradigmenwechsel im Familienrecht oder „weiter so“. Die Legislaturperiode fängt spät, aber interessant an. – Nach der 1. Lesung im Bundestag werden beide Anträge zur Beratung an den Rechtsausschuss überwiesen. „Dort entsteht hoffentlich ein Gesetzesvorschlag, der gesellschaftlichen Realitäten und der Handlungsfreiheit der Eltern Rechnung trägt und der dann auch in dieser Legislaturperiode von der Regierungsmehrheit verabschiedet wird“, fordert der ISUV-Vorsitzende Klaus Zimmer.  

ISUV – Kompetenz im Familienrecht seit über 40 Jahren

Der ISUV vertritt als größte deutsche und überparteiliche Solidargemeinschaft die Interessen von Bürgern, die von Trennung, Scheidung und den damit zusammenhängenden Fragen und Problemen betroffen sind. ISUV ist unabhängig, bundesweit organisiert und als gemeinnützige Organisation anerkannt.

Kontakt:

ISUV-Bundesgeschäftsstelle, Postfach 210107, 90119 Nürnberg, Tel. 0911/55 04 78, – info@isuv.de

ISUV-Vorsitzender RA Klaus Zimmer, Augustinerplatz 2, 79098 Freiburg, 0761/23455, k.zimmer@isuv.de

ISUV-Pressesprecher, Josef Linsler, Moltkestraße 22a, 97318 Kitzingen, Tel. 09321/9279671 – j.linsler@isuv.de

14.03.2018 - Kategorie Presseerklärungen

Autor: Josef Linsler

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