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Erben und vererben: Anspruch auf den Pflichtteil

Ein Pflichtteilsanspruch unterliegt grundsätzlich nicht der Verwirkung. Denn das Formerfordernis des Pflichtteilsentzugs durch letztwillige Verfügung (§ 2336 BGB) oder die besonderen Voraussetzungen der Pflichtteilsunwürdigkeit (§ 2339 BGB) dürfen nicht umgangen werden. Dies hat das Oberlandesgericht Nürnberg (Beschluss vom 4.1.2018 – 12U1668/17) entschieden.

Dem Fall lag folgender Sachverhalt zugrunde: Nach dem Tod seines Sohnes im Mai 2016 beanspruchte der Vater seinen Pflichtteilsanspruch. Alleinerbin seines Sohnes war dessen Witwe. Der Vater wurde durch ein Testament von der Erbfolge ausgeschlossen. Jedoch wurde ihm nicht der Pflichtteil entzogen. Die Witwe war der Meinung, der Vater hätte seinen Pflichtteilsanspruch verwirkt, da er seinem Sohn als Kind keinen gehörigen Unterhalt geleistet habe und ihn fortwährend gedemütigt, beleidigt, misshandelt, geschlagen sowie ihn mit 14 Jahren aus dem Haus getrieben habe. Der Vater erhob schließlich Klage.

Das Landgericht Nürnberg-Fürth bejahte den Pflichtteilsanspruch und gab der Klage somit statt. Weder sei dem Vater das Pflichtteilsrecht entzogen worden noch habe er ihn verwirkt. Gegen diese Entscheidung legte die Witwe Berufung ein.

Das Oberlandesgericht Nürnberg bestätigte die Entscheidung der Vorinstanz und beabsichtigte daher die Berufung der Witwe zurückzuweisen. Dem Vater stehe der Pflichtteilsanspruch gemäß § 2303 Abs. 2 BGB zu.

Ein wirksamer Pflichtteilsentzug liege nicht vor, so das Oberlandesgericht, weil der Erblasser die Entziehung nicht in der nach § 2336 Abs. 1 BGB zwingend erforderlichen Form einer letztwilligen Verfügung vorgenommen habe. Ob der Erblasser in anderer Form den Willen geäußert habe, dass sein Vater aus seinem Nachlass nichts bekommen solle, sei unerheblich. Zudem liege kein Grund einer Pflichtteilsunwürdigkeit gemäß § 2339 BGB vor.

Der Pflichtteilsanspruch des Vaters sei nach Auffassung des Oberlandesgerichts auch nicht verwirkt. Der Ausschluss von Ansprüchen aus dem verfassungsgemäß geschützten und nicht frei entziehbaren Pflichtteilsrecht wegen eines den Interessen des Erblassers zuwiderlaufenden Verhaltens des Pflichtteilsberechtigten werden durch die Pflichtteilsentziehung und die Pflichtteilsunwürdigkeit abschließend geregelt. Eine Verwirkung des Anspruchs komme daher nicht in Betracht, da andernfalls das Formerfordernis des § 2336 Abs. 1 BGB umgangen oder die besonderen Voraussetzungen der Pflichtteilsunwürdigkeit ignoriert werden.

Es ist immer angeraten ein selbst gedertigtes Testament von einem Anwalt überprüfen zu lassen. Beim ISUV geht das schon mit einem Berechtigungsschein für 30 EURO bei einem ISUV-Kontaktanwalt oder kostenlos über die im Mitgliedsbeitrag enthaltene schriftliche Rechtsauskunft.

Quelle: refrago

08.01.2019 - Kategorie Neuigkeiten

Autor: Josef Linsler

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