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Trennung – Scheidung – Jenseits der Zahlen des statistischen Bundesamtes

Im Jahre 2017 gab es 9000 Scheidungen weniger, 9000 mal weniger musste ein Gericht eine Ehe auflösen. Schon seit Jahren ist dieser Trend ungebrochen. Im Durchschnitt halten es die Partner 15 Jahre zusammen aus, von Jahr zu Jahr immer ein wenig länger, auch der Trend ist ungebrochen. Weltweit betrachtet liegt die Scheidungsquote in Deutschland im Durchschnitt. „Es wird weniger geheiratet, daher gibt es auch weniger Scheidungen. Wir beobachten im Verband, dass sich Scheidungsverläufe, Scheidungsverhalten und Scheidungskonflikte verändern“, stellt Klaus Zimmer, ISUV-Vorsitzender und Rechtsanwalt fest. 

Grundsätzlich sei eine ein „Zunahme zu einvernehmlichen Regelungen“ festzustellen. „Hierzu leistet unser Verband in den 70 Kontaktstellen einen vielfach zu wenig beachteten Beitrag, indem die Aktiven mäßigend auf Betroffene einwirken und versuchen die Konfliktparteien an einen Tisch zu bringen“, hebt Zimmer hervor.

Immer häufiger einigen sich Betroffene und sie regeln mittels Scheidungsvereinbarung alle Probleme im Vorfeld eigenständig und einvernehmlich. Immer öfter gehen sie dann mit einem gemeinsamen Anwalt zwecks Scheidung zum Familiengericht. „Ein Thema ist immer kostengünstige Scheidung. Wenn schon die Beziehung gescheitert ist, dann möchte man dafür auch nicht noch zahlen müssen. Über die Scheidungskosten besteht ein indirekter Druck sich zu einigen“, stellt ISUV-Pressesprecher Josef Linsler immer wieder fest.

In der Statistik werden die Trennungen von nichtehelichen Lebensgemeinschaften nicht erfasst. „Hohes Konfliktpotential haben diese Trennungen, wenn kleine Kinder involviert sind, dem Vater der Umgang verweigert wird und die Mutter zum Kindesunterhalt noch Betreuungsunterhalt fordert. Dieses Konfliktfeld hat erheblich zugenommen entsprechend der Zunahme von nichtehelichen Lebensgemeinschaften“, stellt Josef Linsler fest.

Vor 20 Jahren wurde oft um Ehegattenunterhalt heftig gestritten. Das hat sich grundlegend geändert, wie eine stichprobenartige Umfrage unter Familienrichtern ergab. Immer mehr Frauen sind berufstätig, insofern vielfach unabhängiger bei einer Scheidung. „Nicht selten reicht der Lohn des Unterhaltspflichtigen für den Kindesunterhalt, wenn zwei oder mehr Kinder zu versorgen sind“, stellt Josef Linsler fest.

Nicht so sehr um Knete, sondern um Kinder wird heftig gestritten. Es geht um das Aufenthaltsbestimmungsrecht, den Umgang, um elterliche Sorge, um gelebte gemeinsame Elternschaft, um getrennt, aber gemeinsam erziehen. „Das hat viel mit dem Wandel der Vaterrolle zu tun, rührige Väter wollen sich nicht mehr einfach entsorgen lassen, nur Zahlväter sein. Damit tun sich manche Mütter schwer, die Kindererziehung, das soll ihre Domäne bleiben.“ (Linsler) Über Umgang, elterliche Sorge, Aufenthaltsbestimmungsrecht entscheidet letztendlich das Familiengericht, aber es hält sich in der Regel daran, was Gutachter, Verfahrenspfleger, Jugendamt eruiert haben. „Wir unterstützen unsere Mitglieder gemeinsam eine Lösung im Sinne des Kindeswohls zu finden – und es sind überraschend viele Eltern, die dazu nach guten respektvollem Zureden bereit sind. Entscheiden die Experten übers Kindeswohl, dann bleiben teilweise verbitterte Scheidungsopfer – ein Elternteil und die Kinder – zurück“, kritisiert Linsler.

Soziale Medien haben das Trennungs- und Scheidungsverhalten geradezu „revolutioniert“ und „verroht“. Nicht selten wird im sicheren Ehehafen auf Facebook oder in einem Dating Portal die Trennung vorbereitet, nach „Alternativen“ gesucht und diese auch leicht gefunden. „Es gab auch schon Trennungen per WhatsApp. Ein derartiges Verhalten zerstört das Urvertrauen. Mir sind Frauen und Männer bekannt, die sich davon auch nach Jahren nicht erholt, sprich einen gesunden Optimismus wiedergefunden haben und somit einen Neuanfang wagen können“, stellt Linsler fest.

„Unser Fokus ist natürlich auf das Kindeswohl gerichtet“, hebt der ISUV-Vorsitzende Klaus Zimmer hervor. Für Erwachsene sei die Scheidung über kurz oder lang Chance zum Neuanfang. „Als Anwalt erfahre ich immer wieder, Kinder erleben Scheidung oft genau umgekehrt, für sie ist dieser Schritt der Eltern oft ein schmerzlicher Einschnitt, den manche schwer verwinden, insbesondere wenn damit auch der Verlust eines Elternteils verbunden ist“, merkt Zimmer an. Für Kinder bedeute Scheidung vielfach Armut, Schulversagen, Angst, Statusschock, Neuanfang in einer neuen Umgebung, Verlust von Freunden, emotionale Vernachlässigung, weil die Eltern mit sich selbst oder mit der neuen Partnerschaft beschäftigt sind. Zimmer fordert deswegen: „Noch mehr Engagement für gemeinsame Elternschaft nach der Trennung seitens des Jugendamts, der Justiz und der Eltern ist notwendig.“

Dass Ehen immer länger halten, auch wenn sie möglicherweise nur noch auf dem Papier bestehen, verwundere laut Linsler nicht. Ehe bedeute immer noch Sicherheit in finanzieller und wirtschaftlicher Hinsicht. „Gerade ältere Ehepaare, die schon in Rente sind, sollten sich die Scheidung gut überlegen. Durch den Versorgungsausgleich wird bei Scheidung die Rente halbiert, beim Tod eines Partners gehen seine Rentenansprüche verloren. Daher raten wir älteren Ehepaaren von der Scheidung ab“, hebt Linsler hervor, „alles Wichtige kann man auch in einem Trennungsvertrag regeln und somit den Versorgungsausgleich vermeiden.“ Diesen Ratschlag greifen ältere Ehepaare gerne auf, so Linsler, denn die „Angst vor Altersarmut ist seit mehreren Jahren weit verbreitet.“  

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Der ISUV vertritt als größte deutsche und überparteiliche Solidargemeinschaft die Interessen von Bürgern, die von Trennung, Scheidung und den damit zusammenhängenden Fragen und Problemen betroffen sind. ISUV ist unabhängig, bundesweit organisiert und als gemeinnützige Organisation anerkannt.

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ISUV-Vorsitzender RA Klaus Zimmer, Augustinerplatz 2, 79098 Freiburg, 0761/23455, k.zimmer@isuv.de

ISUV-Pressesprecher, Josef Linsler, Moltkestraße 22a, 97318 Kitzingen, Tel. 09321/9279671 – j.linsler@isuv.de

15.07.2018 - Kategorie Presseerklärungen

Autor: Josef Linsler

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