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Wechselmodell ist ein Chancenmodell für Mütter, Väter und Kinder nach Trennung und Scheidung

Dem Rechtsausschuss liegen zwei Anträge zum Wechselmodell vor. Der FDP-Antrag möchte die Betreuung der Kinder nach Trennung und Scheidung im Rahmen eines Wechselmodells zum Regelfall machen. Der Antrag der Partei DIE LINKE lehnt das ab. Der Interessenverband Unterhalt und Familienrecht (ISUV) begrüßt den Antrag der FDP, weil durch das Wechselmodell ein Rahmen für gemeinsame Elternschaft trotz Trennung und Scheidung geschaffen wird. Das dient dem Kindeswohl, Kinder haben einen Anspruch auf beide Eltern, dies sieht die UN-Kinderrechtskonvention vor. „Das Wechselmodell ist ein Chancenmodell für die Eltern. Gewinner sind die Kinder, weil sie nicht in Loyalitätskonflikte gezerrt werden“, hebt der ISUV-Vorsitzende, Rechtsanwalt Klaus Zimmer hervor.  

Gegenwärtig sind Gerichte verunsichert, dies zeigen sehr unterschiedliche Urteile von Gerichten, wenn es um die Frage der Betreuung im Rahmen eines Wechselmodells geht. „Der Gesetzgeber ist gefordert jetzt Klarheit zu schaffen“, fordert der ISUV-Vorsitzende.

ISUV spricht sich gegen weitere sogenannte „zuverlässige Studien“ aus. Dazu stellt ISUV-Pressesprecher Josef Linsler fest: „Es ist zu einem Ritual im Politischen Prozess geworden: Will man sich nicht entscheiden oder eine Entscheidung aufschieben, dann fordert man eine Studie. Und schon hat man wieder zwei drei Jahre gewonnen, dann ist eine neue Regierung dran und das gleiche Spiel beginnt von vorne.“ Bei näherem Hinsehen stelle man fest, dass diese „zuverlässigen Studien oft vom Auftraggeber beeinflusst“ seien. Zudem seien sozialwissenschaftliche Studien immer subjektiv gefärbt. „Sozialwissenschaften möchten sich gerne den Touch von Naturwissenschaften geben, sie können es aber von der Sache her nicht sein. Im Übrigen gibt es genügend Studien in anderen Industrieländern, die entsprechend zu Rate gezogen werden können.“(Linsler)

Im Rahmen eines Wechselmodells haben beide Elternteile erweiterte Chancen für Berufstätigkeit, weil Betreuung zwischen ihnen abgesprochen werden kann. In jedem Fall lassen sich ganz erheblich Betreuungskosten sparen. Die Praxis zeige, der „Bedarf von Kindern nach Trennung und Scheidung ist immer dann gesichert, wenn beide Elternteile berufstätig sind“.

„Das Wechselmodell hat eine gesamtgesellschaftliche Bedeutung, die weit über den Rahmen eines Betreuungsmodells hinausgeht“, stellt Linsler fest. Auf Grund der sozialen Veränderungen sowie der heute schon massiven Probleme der Finanzierung des Sozialstaats ist die gesetzliche Verankerung des Wechselmodells eine gesellschaftliche Notwendigkeit. „In den meisten Fällen schützt nur die Berufstätigkeit beider Eltern vor Scheidungs- und Kinderarmut. Die Berufstätigkeit wird durch das Wechselmodell direkt und indirekt gefördert.“ (Linsler)

„Die gesetzliche Verankerung eines Wechselmodells ist auch deswegen notwendig, weil die Umgangsregelung im Rahmen des gegenwärtig praktizierten Residenzmodells vielfach ungerecht, da zu starr ist“, kritisiert Linsler. Wenn nämlich nach gegenwärtiger Regelung ein Elternteil nur zweimal im Monat an einem Tag am Wochenende die Kinder betreut, so zahlt er genauso den gleichen Unterhaltsbetrag gemäß Düsseldorfer Tabelle wie derjenige Elternteil, der 30 Prozent und mehr Betreuung leistet. „Die Betreuungsleistung beider Elternteile muss berücksichtigt werden und sich auch auf den Kindesunterhalt auswirken.“ (Linsler)

Immer öfter wird der Umgang verweigert. „dahinter stecken vielfach nicht Sorge um das Kindeswohl, sondern die Sicherung des Kindesunterhalts. Das Wechselmodell bietet die Chance Umgangsverweigerung von vorneherein auszuschließen, somit den Kindern beide Elternteil zu erhalten“, stellt Linsler fest.

Es müsse etwas geändert werden an dem „fatalen Mechanismus“, dass ein Elternteil nur zu allem – Umgang, erweiterter Umgang, gemeinsame Elternschaft trotz Trennung und Scheidung – „Nein“ sagen muss. Das Gericht stellt dann fest, man könne nicht miteinander reden, also ist weder erweiterter Umgang, noch ein Wechselmodell möglich. Und am Ende obsiegt der Verweigerer: Er bekommt den Kindesunterhalt, je nach Alter des Kindes Betreuungsunterhalt und die Macht über das Kind zugesprochen. Dem anderen Elternteil bleibt nicht selten nur der Selbstbehalt. „Dieser fatale Mechanismus muss überwunden werden. Das Wechselmodell als Regelfall zieht hier klare Leitplanken“, meint ISUV-Pressesprecher Linsler.

In der schwierigen Übergangsphase nach der Trennung fordert ISUV eine Pflicht beider Elternteile zu Beratung und Mediation. „Es gibt Phasen bei der Umsetzung eines Wechselmodells. Ist das erste halbe Jahr überstanden, dann setzt Routine ein, oft auch wieder gegenseitiger Respekt, Zufriedenheit über mehr Möglichkeiten an den kinderfreien Tagen oder Wochen und das Glück, dass die Kinder einigermaßen unbeschadet die Trennung überstanden haben“, hat Linsler von ISUV Mitgliedern erfahren, die das Wechselmodell nach schwieriger Anfangszeit und gegen den Rat der offiziellen Berater beim Jugendamt umgesetzt haben und es seit Jahren leben.

„Keiner Familie kann das Wechselmodell aufgezwungen werden. Viele Getrenntlebende und Geschiedene werden weiterhin das Residenzmodell praktizieren. Man soll allerdings die Elternteile unterstützen, die es praktizieren wollen. Getrennt, aber weiterhin gemeinsam erziehen, dies meint das Wechselmodell, ist ein Leitbild, das im Interesse von Kindern, Eltern aber auch der Gesamtgesellschaft umgesetzt werden sollte. Jetzt ist der Gesetzgeber am Zug“, fordert der ISUV-Vorsitzende Zimmer.

 

ISUV – Kompetenz im Familienrecht seit über 40 Jahren

Der ISUV vertritt als größte deutsche und überparteiliche Solidargemeinschaft die Interessen von Bürgern, die von Trennung, Scheidung und den damit zusammenhängenden Fragen und Problemen betroffen sind. ISUV ist unabhängig, bundesweit organisiert und als gemeinnützige Organisation anerkannt.

Kontakt:

ISUV-Bundesgeschäftsstelle, Postfach 210107, 90119 Nürnberg, Tel. 0911/55 04 78, –

ISUV-Vorsitzender RA Klaus Zimmer, Augustinerplatz 2, 79098 Freiburg, 0761/23455, k.zimmer@isuv.de

ISUV-Pressesprecher, Josef Linsler, Moltkestraße 22a, 97318 Kitzingen, Tel. 09321/9279671 – j.linsler@isuv.de

 

21.06.2018 - Kategorie Presseerklärungen

Autor: Josef Linsler

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