Kindesunterhalt

Unterhalt für minderjährige und volljährige Kinder

Unterhalt für Kinder

Kinder haben grundsätzlich immer Anspruch auf Kindesunterhalt. Eltern müssen für ihre Kinder sorgen, sie betreuen, ihre Existenzbedürfnisse befriedigen.

Nachfolgend finden Sie die wichtigsten Informationen zum Thema Kindesunterhalt sowie Kindesunterhalt ab 18. Auch erfahren Sie, wie ISUV Sie als Mitglied bei Ihren Unterhaltsfragen unterstützen kann. Darüber hinaus finden Sie am Ende dieser Seite vielfältige Literaturhinweise als mögliche "Hilfe zur Selbsthilfe".

 

 

Beratung & Austausch

Der Kindesunterhalt ist bei Veranstaltungen und Fachreferaten in unseren Kontaktstellen ein „beliebtes“ Thema. Als ISUV-Mitglied haben Sie die Möglichkeit, sich bei Fragen dazu vertrauensvoll an die Kontaktstellenleiter zu wenden oder sich bei Veranstaltungen mit anderen Mitgliedern sowie im ISUV-Forum auszutauschen.

Expertenwissen von Anwälten

Als ISUV-Mitglied profitieren Sie von einer schriftlichen Rechtsberatung. Wir beantworten Ihre Fragen zum Unterhalt auch gerne schriftlich und bieten Ihnen umfassende Informationen, Hilfe zur Selbsthilfe, Anregungen zu Initiativen sowie transparenten Expertenrat.

Ratgeber & Merkblätter

Beachten Sie außerdem unsere Merkblattempfehlungen am Ende dieser Seite. Als ISUV-Mitglied erhalten Sie 50% Rabatt auf Merkblätter und Ratgeber. Mit unserem leicht verständlichen Ratgeber verschaffen Sie sich einen ersten Überblick über alles Wichtige. Diese weiteren Mitgliedsvorteile erwarten Sie.

Allgemeines zum Kindesunterhalt

Kindesunterhalt besteht also nicht nur in Geldform, sondern auch in Naturalien, Betreuung. Wobei sich Betreuung in der Hauptsache auf minderjährige Kinder bezieht. Voraussetzung für Unterhalt ist immer Bedürftigkeit der Person, was bei minderjährigen Kindern nahezu immer vorausgesetzt werden kann. Kann der Unterhaltspflichtige nicht zahlen, so kann beim Jugendamt Unterhaltsvorschuss beantragt werden. Beim Kindesunterhalt unterscheidet man zwischen dem Unterhalt für minderjährige und volljährige Kinder (Kindesunterhalt ab 18).

 

 

Was ist Barunterhalt oder Naturalunterhalt?

Die Frage, wer den Unterhalt für das Kind zahlen muss, stellt sich nicht, wenn die Eltern gemeinsam mit dem Kind zusammenleben. Leben Eltern nach Trennung oder Scheidung getrennt, leistet der Elternteil, der mit dem Kind zusammenlebt, den Kindesunterhalt als Naturalunterhalt in Form von Betreuung, Kost und Logis. Zur Zahlung von Barunterhalt ist hingegen der andere Elternteil verpflichtet.

Es gilt: Barunterhalt und Betreuungsleistung sind gleichwertig.

 

Kindesunterhalt Anspruchsgrundlagen

Beim Anspruch des Unterhalts sind drei Aspekte zu prüfen:

  1. Bedarf: was braucht ein Kind?
  2. Bedürftigkeit: was kann ein Kind per Vermögen selbst decken?
  3. Leistungsfähigkeit: wieviel kann der Unterhaltspflichtige zahlen?


Kindesunterhalt festlegen

Kindesunterhalt kann erst geltend gemacht werden, wenn er vorher gefordert wird. Das heißt in der Praxis, der Unterhaltsberechtigte muss dem Unterhaltspflichtigen mitteilen (z.B. Brief per Einschreiben) ab wann er (klare Zeitangabe) den Kindesunterhalt in welcher Höhe erwartet.

Man muss auch nicht gleich vor Gericht ziehen: Die Eltern können einen Vergleich schließen, d. h. vereinbaren, wer, was und wie viel bezahlt. Allerdings können Eltern den Kindesunterhalt in einer Vereinbarung nicht ausschließen.

Der Unterhaltspflichtige kann auch mittels Urkunde einen Unterhalt beim Jugendamt festschreiben lassen. Bevor man eine Jugendamtsurkunde unterschreibt, sollte man sie von einem Fachanwalt überprüfen lassen. Nicht immer rechnet das Jugendamt korrekt.

Wir von ISUV empfehlen unseren Mitgliedern immer die Jugendamtsurkunde von einem ISUV-Kontaktanwalt mittels schriftlicher Rechtsberatung, die in der Mitgliedschaft enthalten ist, überprüfen zu lassen.

Können sich die Eltern nicht einigen, weil der Unterhaltspflichtige eine Jugendamtsurkunde nicht unterschreibt, keine Auskunft gibt oder bezüglich des unterhaltsrelevanten Einkommens keine Einigung besteht, dann legt das Familiengericht den Unterhalt fest. Wenn um Kindesunterhalt gestritten wird, besteht Anwaltszwang.

Wir verweisen in diesem Zusammenhang auf das ISUV-Merkblatt Nr. 9, „Der Anwaltszwang in Ehe- und Familiensachen“

Kindesunterhalt berechnen

Die Grundlage für die Berechnung des Kindesunterhalts bilden die Düsseldorfer Tabelle (Unterhaltstabelle) und die Leitlinien der Oberlandesgerichte. Die Unterhaltstabelle sagt, wieviel ein Kind in der Regel braucht, Abweichungen sind möglich. Die Düsseldorfer Tabelle ist jedoch kein Gesetz, daher kann von ihr im Einzelfall auch abgewichen werden.

Umgangskosten können hier relevant sein. Wenn mehr Kinder zu versorgen sind, können die Beträge niedriger ausfallen. Wenn nur ein Kind da ist, dann können die Zahlbeträge auch höher sein. Dem Unterhaltspflichtigen muss der notwendige Selbstbehalt zur Sicherung des Existenzminimums bleiben. Angerechnet werden kann auf den Unterhalt auch ein geldwerter Wohnvorteil.

 

 

Kindesunterhalt: Düsseldorfer Tabelle

Zu unterscheiden sind in der Düsseldorfer Tabelle die Zahlbeträge und die Tabellenbeträge. Von den Tabellenbeträgen wird jeweils die Hälfte des Kindergeldes abgezogen, das sind dann die „Zahlbeträge“. Der Barunterhaltsverpflichtete deckt den Regelbedarf zzgl. Krankenversicherungskosten. Der sonstige Mehrbedarf ist entsprechend der Einkommensverhältnisse zu teilen. Mehrbedarf ist regelmäßig anfallender Bedarf, der durch den Regelbedarf (festgelegt in der Düsseldorfer Tabelle) nicht abgedeckt ist.

Immer häufiger entstehen Mangelfälle, weil nicht alle Ansprüche des Unterhalts gemäß den Zahlbeträgen der Düsseldorfer Tabelle befriedigt werden können. Von ISUV-Mitgliedern wird immer wieder kritisiert, dass die Zahlbeträge der Düsseldorfer Tabelle zu hoch sind und mehrfach schon überproportional angehoben wurden.

Die neue Düsseldorfer Tabelle 2023

Auf dieser Seite informieren wir Sie über das Wichtigste zur neuen Düsseldorfer Tabelle 2023 (Stand 01.01.2023).

Mehr Informationen Download Düsseldorfer Tabelle 2023 (PDF)

Rangfolge beim Kindesunterhaltsanspruch

Unterhaltsansprüche unterliegen immer einer Rangfolge. Es gilt minderjährige Kinder kommen zuerst. Dann kommen die Elternteile, die minderjährige Kinder betreuen. Volljährige Kinder (Kindesunterhalt ab 18) kommen erst auf Rang 4: volljährigen Kindern ist es in der Regel zumutbar, für den eigenen Lebensunterhalt selbst zu sorgen. Aus diesem Grunde hält man diese Kinder für weniger schutzbedürftig im Verhältnis zu anderen Unterhaltsberechtigten.

Wir verweisen in diesem Zusammenhang auf das ISUV-Merkblatt Nr. 16, „Die Rangfolge von Unterhaltsansprüchen“

 

Grundlage für die Höhe des Kindesunterhalts

Dies ist das unterhaltsrelevante Einkommen des Unterhaltspflichtigen. Es wird ermittelt, indem sämtliche möglichen Einkommen erfasst werden:

  • Erwerbseinkommen (selbständig oder nicht selbstständig)
  • Vermietung und Verpachtung
  • Kapitaleinkünfte
  • Arbeitslosengeld
  • Mietfreies Wohnen
  • Dienstwagen als geldwerter Vorteil

Abgezogen werden vom Einkommen:

  • Steuern und Sozialversicherungsbeiträge
  • Berufsbedingte Aufwendungen (pauschal 5% des Nettoeinkommens)
  • Fahrtkosten
  • Schulden (Zinsen immer, Tilgung möglicherweise im Einzelfall).

Wir verweisen in diesem Zusammenhang auf das ISUV-Merkblatt Nr. 11, „Das unterhaltsrechtlich relevante Einkommen“.

 

Der Unterhaltspflichtige muss über seine Einkommensverhältnisse Auskunft geben, wenn er dazu aufgefordert wird. Der Unterhaltsberechtigte hat einen Auskunftsanspruch. Allerdings kann der Unterhaltsberechtigte nicht nach Belieben Auskunft verlangen. Auskunft kann alle zwei Jahre eingefordert werden, der Auskunftsanspruch ist gegenseitig.

Abänderung von Unterhaltstiteln ist bei wesentlicher Änderung der Verhältnisse möglich. Wesentliche Änderungen sind:

  • Das Einkommen verändert sich „wesentlich“ – erheblich, so dass er in der Düsseldorfer Tabelle um mindestens eine Stufe höher eingruppiert wird
  • Der Berechtigte erlangt eine eigene Lebensstellung
  • Der Berechtigte bezieht ein wesentlich höheres Einkommen
  • Der Berechtigte wird volljährig und eine beiderseitige Barunterhaltsverpflichtung entsteht

Wesentliche Änderungen muss sowohl der Unterhaltsberechtigte als auch der Unterhaltsverpflichtete unaufgefordert mitteilen.

Wir verweisen in diesem Zusammenhang auf das ISUV-Merkblatt Nr. 20, „Die unterhaltsrechtliche Auskunftspflicht“

 

 

Kindesunterhalt und Rückzahlung von Schulden

Oft ein Thema und Anlass für Konflikte, Unterhalt und Rückzahlung von Schulden. Schulden, die bereits vor der Trennung eingegangen wurden, und die bereits während der Ehe abgezahlt wurden, können vom Einkommen abgezogen werden.

Beim Kindesunterhalt darf der Schuldenabzug aber nicht dazu führen, dass der Mindestunterhalt unterschritten würde, also der unterste Betrag der Düsseldorfer Tabelle. Anders ausgedrückt: Dieser Mindestunterhalt muss auf jeden Fall gezahlt werden, egal wie hoch die Schulden sind. Der Unterhaltspflichtige ist gehalten, sich um eine Reduzierung der Monatsraten zu bemühen, auch wenn der Kredit dadurch insgesamt länger läuft und teurer wird. Ist das nicht möglich oder nicht ausreichend, muss der unterhaltspflichtige Elternteil notfalls einen Nebenjob annehmen, um wenigstens den Mindestunterhalt zahlen zu können.

 

 

Rückforderung von Unterhalt

Ein häufiges Problem, eine häufige Frage von Unterhaltspflichtigen ist, ob zu Unrecht gezahlter Unterhalt rückwirkend zurückgefordert werden kann. Unterhalt kann nur zurückgefordert werden ab dem Zeitpunkt, ab dem der Unterhaltspflichtige in Verzug gesetzt wurde. Es handelt sich um ein komplexes Problem mit sehr viel Rechtsprechung dazu.

Wir verweisen in diesem Zusammenhang auf das ISUV-Merkblatt Nr. 30, "Rückforderung von zu Unrecht gezahltem Unterhalt“

Kindesunterhalt für minderjährige Kinder

Bei minderjährigen Kindern gilt die Regelung: Ein Elternteil betreut – der andere zahlt. Dies gilt auch dann noch, wenn ein Elternteil 40 Prozent betreut, muss er auch 100 Prozent Unterhalt gemäß der Unterhaltstabelle zahlen.

Dies will ISUV ändern, fortan soll dann für die Aufteilung von Unterhalt gelten: Beide betreuen, Beide bezahlen.

 

Rangordnung beim Unterhalt für minderjährige Kinder

Was die Rangordnung beim Unterhalt anbelangt: Minderjährige Kinder haben immer Vorrang. Unterhalt für Kinder muss gezahlt werden, bis eine Ausbildung abgeschlossen ist. Zu beachten ist, Krankenversicherung, Mehrbedarf, Sonderbedarf werden in den Zahlbeträgen der Düsseldorfer Tabelle nicht berücksichtigt.

 

 

Pflicht zur Erwerbstätigkeit

Für den Unterhaltspflichtigen besteht bei minderjährigen Kindern erhöhte Pflicht zur Erwerbstätigkeit – „Erwerbsobliegenheit“ - um seine Leistungsfähigkeit gegenüber den Kindern zu sichern. Gerichte achten darauf besonders, dass der Unterhaltspflichtige zumindest den Mindestunterhalt – siehe Einkommensgruppe 1 der Düsseldorfer Tabelle – zahlt. Manche Gerichte fordern vom Unterhaltspflichtigen, wenn sein regelmäßiges Einkommen nicht reicht, dass er einen zweiten Job annehmen muss.

Ganz besonders zu beachten ist: Grundsätzlich sind Unterhaltspflichtige nicht berechtigt ihre Stunden zu kürzen, um weniger Unterhalt zu zahlen. Stundenkürzung ist zwar möglich auf Grund von Krankheit, jedoch werden eine amtsärztliche Untersuchung und entsprechendes Attest in der Regel angefordert. Wird der Mindestunterhalt unterschritten, kennen Gerichte kein Pardon. Dem Unterhaltspflichtigen wird aufgegeben sich entsprechend zu bewerben und/oder eine „zumutbare“ Nebentätigkeit anzunehmen.

Wir verweisen in diesem Zusammenhang auf das ISUV-Merkblatt 23, „Unterhaltsanspruch minderjähriger Kinder“

 

 

Betreuungskosten nicht enthalten

Im Übrigen sind die Betreuungskosten in den Zahlbeträgen der Düsseldofer Tabelle nicht enthalten. So ist Hortbetreuung Mehrbedarf und kann vom Unterhaltspflichtigen gefordert werden, allerdings wird das Essensgeld abgezogen, denn dies ist im Kindesunterhalt enthalten.

Es gibt des Weiteren Sonderbedarf, z. b. Klassenfahrten, auch daran hat sich der Unterhaltspflichtige meist anteilig zu beteiligen. Im Übrigen gibt es dazu viele Einzelfallentscheidungen, die zu beachten sind. Ein Sonderproblem sind die Kosten für Privatschule, hierzu gibt es Einzelfallentscheidungen.

Auch wenn ein minderjähriges Kind Vermögen besitzt, muss es dieses nicht für den Unterhalt einsetzen.

Häufige Fragen zum Kindesunterhalt


Hier finden Sie Antworten auf häufige Fragen zum Kindesunterhalt.

Kindesunterhalt ab 18 | Volljährigenunterhalt

Mit Vollendung des 18. Lenbensjahres entfällt die Aufteilung in Natur- und Barunterhalt, bei dem ein Elternteil betreut – der andere zahlt . Im Gegensatz zu minderjährigen Kindern, die immer unterhaltsberechtigt sind, müssen volljährige Kinder ihren Unterhaltsanspruch (Kindesunterhalt ab 18) selbst geltend machen, wenn sie noch keine eigene Lebensstellung erreicht, bzw. nicht in der Lage sind sich selbst zu "unterhalten". Die Unterhaltszahlungen werden in der Regel auf das eigene Konto des Kindes überwiesen.

Ab 18 Jahren sind beide Elternteile zum Kindesunterhalt verpflichtet

Mehr Infos zum Kindesunterhalt ab 18


Hier finden Sie weitere Informationen zum Kindesunterhalt ab 18.

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